09.11.2005

UNNACHGIEBIG

Sony BMG verteidigt Kopierschutz weiter

Die Kritik am von Sony BMG eingesetzten Kopierschutz XCP findet kein Ende - wohl nicht zuletzt wegen Sonys anhaltender Uneinsichtigkeit gegenüber der Öffenlichkeit.

"Die meisten Leute wissen gar nicht, was ein Rootkit ist, warum sollten sie sich darum kümmern?", erklärte zuletzt Thomas Hesse, der bei Sony BMG für Global Digital Business verantwortlich ist, in einem Radiointerview.

Urheberrecht über Kundeninteresse

Man schütze seine Musik-CDs mit dem Verfahren nur gegen das unerlaubte Vervielfältigen, so Hesse. Die Tarnung sei dazu da, damit Piraten den Kopierschutz nicht finden und entfernen könnten.

Hier spiegelt sich eine Fehleinschätzung des Konzerns wider: Den Schutz des Urheberrechts über die Sicherheit seiner zahlenden Kunden zu stellen.

Schlechte Öffentlichkeitsarbeit

Generell ist SonyBMG in Zusammenhang mit dem Problem vor allem die schlechte Öffentlichkeitsarbeit vorzuwerfen.

So stellt der Konzern zwar inzwischen einen Uninstaller für die Software zur Verfügung, doch der muss extra über ein Webformular unter Angabe der eigenen E-Mail-Adresse angefordert werden.

Das kann wiederum dazu führen, dass der Kunde mit seiner E-Mail-Adresse gegen seinen Willen in einem Marketingverteiler des Plattenlabels landet.

Drohen weitere Klagen?

Rechtsexperten setzen sich unterdessen damit auseinander, ob ein Passus in den allgemeinen Lizenzbestimmungen ausreicht, um die Kunden über ein solch tief greifendes Kopierschutzsystem zu informieren. Viele sehen Sony damit nicht aus der Pflicht.

Die kleine Pop-up-Mitteilung warne keineswegs davor, dass ein Programm installiert wird, das sich im System tarnt und von Virenautoren zum Einschleusen von bösartigem Codes genutzt werden könnte, so ein finnischer Sicherheitsexperte.

In Italien hat die Bürgerrechtsorganisation ALCEI bereits eine Klage gegen Sony BMG angekündigt.