Sony BMG verteidigt Kopierschutz weiter
Die Kritik am von Sony BMG eingesetzten Kopierschutz XCP findet kein Ende - wohl nicht zuletzt wegen Sonys anhaltender Uneinsichtigkeit gegenüber der Öffenlichkeit.
"Die meisten Leute wissen gar nicht, was ein Rootkit ist, warum sollten sie sich darum kümmern?", erklärte zuletzt Thomas Hesse, der bei Sony BMG für Global Digital Business verantwortlich ist, in einem Radiointerview.
Zudem negierte Hesse, der Kopierschutz würde auf dem PC des Kunden Daten ausforschen und diese an Sony BMG weiterleiten. Es gebe keinerlei "Kommunikation zurück", so Hesse.
Was ist ein Rootkit? Antwort bei WikipediaSicherheitsexperten kamen zu einem anderen Schluss. Sie hatten entdeckt, dass sich der SonyBMG-Kopierschutz einem Virus ähnlich unbemerkt im System des Nutzers einnistet und dort ausspionierte Nutzungsdaten wie Uhrzeit und CD-ID an das Plattenlabel weitergibt.
Sony-BMG-Kopierschutz als DatenlieferantUrheberrecht über Kundeninteresse
Man schütze seine Musik-CDs mit dem Verfahren nur gegen das unerlaubte Vervielfältigen, so Hesse. Die Tarnung sei dazu da, damit Piraten den Kopierschutz nicht finden und entfernen könnten.
Hier spiegelt sich eine Fehleinschätzung des Konzerns wider: Den Schutz des Urheberrechts über die Sicherheit seiner zahlenden Kunden zu stellen.
Denn betroffen von den Kopierschutz-Tools sind gerade jene Musikhörer, die ihre Musik legal im Handel auf CD gekauft haben.
Das Radiointerview mit Thomas HesseSchlechte Öffentlichkeitsarbeit
Generell ist SonyBMG in Zusammenhang mit dem Problem vor allem die schlechte Öffentlichkeitsarbeit vorzuwerfen.
So stellt der Konzern zwar inzwischen einen Uninstaller für die Software zur Verfügung, doch der muss extra über ein Webformular unter Angabe der eigenen E-Mail-Adresse angefordert werden.
Das kann wiederum dazu führen, dass der Kunde mit seiner E-Mail-Adresse gegen seinen Willen in einem Marketingverteiler des Plattenlabels landet.
Auch First 4 Internet hat seine Software mittels eines Patches aktualisiert. Der Patch schaltet die Fähigkeit des Rootkits, sich zu verstecken, aus, der Kopierschutz selbst bleibt aber weiterhin aktiv.
XCP-Kopierschutz nicht in EuropaDrohen weitere Klagen?
Rechtsexperten setzen sich unterdessen damit auseinander, ob ein Passus in den allgemeinen Lizenzbestimmungen ausreicht, um die Kunden über ein solch tief greifendes Kopierschutzsystem zu informieren. Viele sehen Sony damit nicht aus der Pflicht.
Die kleine Pop-up-Mitteilung warne keineswegs davor, dass ein Programm installiert wird, das sich im System tarnt und von Virenautoren zum Einschleusen von bösartigem Codes genutzt werden könnte, so ein finnischer Sicherheitsexperte.
In Italien hat die Bürgerrechtsorganisation ALCEI bereits eine Klage gegen Sony BMG angekündigt.
