Sony-BMG-Kopierschutz als Datenlieferant
Sony BMG steht wegen seines heftig umstrittenen Kopierschutzes XCP auf Musik-CDs weiter Ärger ins Haus.
Wie vor kurzem bekannt wurde, installiert sich beim Abspielen der CD unbemerkt eine Software auf dem eigenen PC, die das Verhalten des Nutzers überwacht. Nun wurde aber auch bekannt, dass die "Überwachungsdaten" an die Server von Sony weitergeleitet werden.
Dabei handle es sich um Uhrzeit, IP-Adresse und Album-Identifikationsnummer, womit Sony BMG ungefragt Nutzungsprofile erstellen könnte.
Diese Möglichkeit werde aber laut First 4 Internet, dem Entwickler des Kopierschutzs derzeit nicht genutzt.
Für Aufregung sorgte vor allem, dass XCP ähnlich wie ein Computervirus arbeitet und sich vom Anwender unerkannt in die Tiefen des Betriebssystems einnistet.
XCP-Kopierschutz nicht in EuropaHintertür für mögliche Angreifer
Ohne zusätzliche Software lässt sich der Kopierschutz nicht wieder entfernen, Sony hat allerdings bereits einen "Patch" bereitgestellt.
Erst kurz nach Bekanntwerden wurde im Internet bereits von ersten Trittbrettfahrern berichtet, die die Versteckfunktion der Sony-Kontroll-Software für sich nutzten. So sollen Spieler des Online-Games "World of Warcraft" versucht haben, durch die gleichen vorgeschalteten Sonderzeichen in den Dateinamen wie bei XCP ["$sys$"] Spyware zu installieren.
Nach Meinung von Experten könnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich weitaus gefährlichere Schadsoftware die XCP-Funktionen zu Nutze machen könnten.
In Italien droht Sony BMG wegen des neugierigen Kopierschutzsystems nun eine Klage von der Bürgerrechtsorganisation ALCEI.
ALCEI-Mitteilung [italienisch]
