12.11.2005

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Sony BMG stoppt XCP-Kopierschutz

Aus "Sicherheitsgründen" will das zweitgrößte Musiklabel Sony BMG vorübergehend keine CDs mit der Kopierschutztechnologie XCP produzieren.

Zwar verteidigt der Anbieter in einem Statement weiter sein "Recht", mit Hilfe von digitalem Rechtemanagement [DRM] seine CDs vor zu vielen Kopien durch die Käufer zu schützen, doch nun soll der Kopierschutz XCP als Vorsichtsmaßnahme nochmals auf seine Sicherheit überprüft werden.

Mac-Kopierschutz weiter im Einsatz

Sony BMG stellt jedoch nicht die ganze Produktion von CDs mit Kopierschutz ein. Die Mac-Variante mit MediaMax-Technologie von SunnComm wird weiter produziert.

Mittlerweile kursieren bereits eine ganze Reihe von Schadprogrammen im Netz, die die Funktionen des Kopierschutzes XCP von First 4 Internet zu ihren Gunsten nutzen. Zumindest von einem spricht auch Sony BMG in seiner Stellungnahme.

Sony BMG will Image retten

Für Sony BMG ist der Schritt aber offenbar auch der Versuch, das mittlerweile deutlich angekratzte Image zu retten. Nach jüngsten Medienberichten soll der vorweihnachtliche Absatz von Musik-CDs des Anbieters in den USA bereits deutlich rückläufig sein.

Nach ersten Klagen in Italien haben zudem nun auch Verbraucher in Kalifornien wegen des Kopierschutzes drei Klagen gegen Sony BMG in den USA eingebracht.

In den vergangenen Jahren haben alle großen Musikkonzerne verschiedene technische Verfahren erprobt, um das Kopieren von Songs auf einer CD zu verhindern.

"Es kann sich heute keiner mehr leisten, Urheberrechte nicht zu schützen", so Hartmut Spiesecke, Sprecher des deutschen Verbands der Phonografischen Wirtschaft.

Späte, halbherzige Reaktion?

Für Mark Russinovich, der als erster die umstrittenen Funktionen des Kopierschutzes Ende Oktober in seinem Weblog veröffentlicht hatte, kommt der Schritt zu spät.

Sony gebe zudem nicht zu, etwas Falsches gemacht zu haben und verspreche auch nicht, den Kopierschutz nicht weiter einzusetzen.

Der Kopierschutz steht nicht nur wegen seiner eigentlichen Bestimmung in der Kritik: Zuletzt wurde auch bekannt, dass damit "Überwachungsdaten" an die Server von Sony weitergeleitet werden.

Dabei handle es sich um Uhrzeit, IP-Adresse und Album-Identifikationsnummer, womit Sony BMG ungefragt Nutzungsprofile erstellen könnte. Diese Möglichkeit wird aber laut First 4 Internet, dem Entwickler des Kopierschutzs derzeit nicht genutzt.