18.09.2005

BETRUG

EBays Kampf gegen unlautere Auktionen

In Deutschland sorgt gerade ein Fall für Aufsehen, bei dem ein derzeit Unbekannter das vier Monate alte Baby einer Familie beim Online-Auktionshaus eBay zum Kauf angeboten hat.

Während die Polizei ersten Hinweisen zum Täter nachgeht und die Tat als Racheaktion bezeichnet [die Familie war zum Zeitpunkt des Auktionsstarts auf Urlaub, eine ältere Tochter der Familie soll ebenfalls von einem Unbekannte bereits bei eBay inseriert worden sein], versucht eBay den Schaden für das eigene Unternehmen zu begrenzen.

Ein eBay-Sprecher sagte, das Unternehmen könne nicht verhindern, dass solche Angebote eingestellt werden.

Es beschäftige mehr als 100 Mitarbeiter allein damit, nach Artikeln zu suchen, die gegen das Gesetz oder die eBay-Bestimmungen verstoßen. Den aktuellen Fall hatte ein eBay-Nutzer am Freitag den Behörden gemeldet, nachdem die Auktion Donnerstagabend online gegangen war. Das Angebot wurde daraufhin gelöscht.

Gratwanderung zwischen Justiz und Publicity

Für das Unternehmen sind seine Auktionen immer wieder eine Gratwanderung. Auf der einen Seite verdient das Unternehmen an jedem eingestellten Artikel und partizipiert wie etwa bei der Versteigerung des Marien-Käsetoasts, des Papst-Golfs und von Tätowierungen auf Stirn und Bauch auch an der Publicity.

Auf der anderen Seite untergraben Fälle wie jener des Babys, die immer wieder auftretenden Betrugsfälle und nachgemachte Artikel, die das Urheberrecht des Originalherstellers verletzen, das Vertrauen der Kunden in eBay und bringen dem Unternehmen auch juristischen Ärger ein.

So reichte etwa der Luxus-Juwelier Tiffany letztes Jahr gegen eBay eine Klage wegen Beihilfe zur Verletzung seines Markenzeichens ein.

"Wie im wahren Leben"

Inwieweit eBay mit der eigenen "Polizei" Erfolg bei der Verfolgung von unlauteren oder gesetzeswidrigen Auktionen hat, ist nicht klar. Zahlen dazu wurden vom Unternehmen bis dato nicht genannt.

Angesprochen auf die Betrugsfälle meinte Österreich-Chef Anton von Rüden anlässlich der Eröffnung der Österreich-Niederlassung im Februar letzten Jahres, dass die Zahl der bestätigten Betrugsfälle "deutlich unter einem Prozent" liege.

Betrug komme immer wieder vor, der Marktplatz spiegle eben das "wahre Leben" wider, so Joachim Guentert von eBay.

Erst vor kurzem berichtete der "Spiegel" von eBay-Auktionen, bei denen Mitglieder widerrechtlich ihre Stimme für die deutsche Bundestagswahl anboten.

Sicherheit a la eBay

EBay-Nutzer selbst können nur über Umwege vermeintlich unlautere Artikel melden. Zwar bietet das Auktionhaus ein eigenes Sicherheitsportal an, wo der Käufer vor allem über den Schutz vor Betrug informiert wird.

Der Link, um bedenkliche Auktionen über ein Webformular zu melden, ist allerdings erst über Umwege zu erreichen. Bei den Auktionen selbst fehlt ein solcher Direkt-Link.