Canon sperrt Tinten-Diskonter aus
Auf dem hart umkämpften Druckermarkt war Canon bisher wegen seiner vergleichsweise niedrigen Druckkosten erste Wahl für viele Benutzer.
Doch nach Lexmark, Epson und Hewlett-Packard versucht nun offenbar auch der japanische Druckerbauer, billigere Fremdanbieter bei der Tinte auf Abstand zu halten, und setzt auf Elektronik im Tank.
Mit einer neuen Serie von insgesamt zwölf Tintenstrahldruckern und Multifunktionsgeräten führt Canon auch neue Druckerpatronen-Typen ein.
Ein integrierter Chip und eine Leuchtdiode zur Füllstandskontrolle sollen zwar offiziell "Kosten für Fehldrucke" reduzieren, doch ganz nebenbei könnte dadurch auch der Einsatz von Billig-Druckerpatronen verhindert werden.
Das "schwarze Gold"
Druckertinte ist eine der weltweit teuersten Flüssigkeiten.
Gemessen am Literpreis von etwa 3.000 Euro scheinen erlesene Weine
und Luxusparfums wie Schnäppchen.
Gute Geschäfte für Tinten-DiscounterTinte kostet so viel wie Drucker
Je nach Preisklasse des neuen Modells arbeiten die Canon-Geräte mit den neuen Einzelfarbtanks mit intregriertem Chip und Leuchtdiode zur Füllstandskontrolle [PIXMA iP4200/iP5200/R sowie MP500/MP800] oder Tintentanks mit integrierten Druckköpfen [Modelle PIXMA iP1600/iP2200/iP6210D/iP6220D sowie MP150/MP170/MP450].
Die LED am Tank blinkt je nach Füllstand in unterschiedlichen Taktraten, auch ohne PC ist dieser daher nun sofort ersichtlich.
Viele Nutzer kritisieren bei den Konkurrenz-Produkten, dass der Tank oft als leer angezeigt wird, obwohl er noch einen Rest an Tinte enthält. So erzwingen die Hersteller einen vorzeitigen Patronentausch, obwohl dieser noch nicht nötig wäre.
Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die Gerätebauer vor allem an den teuren Nachkaufpatronen verdienen.
Die Kunden werden über billige Drucker geködert und bringen den Herstellern über die folgenden Jahre Einnahmen durch den Kauf der Originaltinte. Oft kostet eine Nachfüllung des Druckers so viel wie das Gerät selbst.
Die neue Canon-ProduktpaletteSelbst Originale funktionieren nicht überall
HP geht sogar so weit, seine Originalpatronen mit Regionalcode zu
kennzeichnen. Damit können beispielsweise in den USA günstiger
erstandene Druckerpatronen nicht in neuen Druckern für den
europäischen Markt verwendet werden
Regionalcodes für DruckerpatronenNachfüll-Geschäft blüht
Aus dem Nachfüll-Markt ist längst ein blühender Geschäftszweig geworden. In Europa setzen die so genannten Refiller, die Tinte im Vergleich zum Original bis zu 70 Prozent günstiger anbieten, mittlerweile jährlich zwei Milliarden Euro um.
Der gängige Originaltinten-Zwang der Druckerhersteller steht zudem eigentlich mit einer aktuellen EU-Regelung im Widerspruch.
Die EU sagt in Artikel 4 der Elektronikschrott-Richtlinie, dass die Hersteller die Wiederverwendung von Verbrauchsteilen durch technische Maßnahmen nicht verhindern dürfen.
Doch wie so oft, ist der Artikel unklar formuliert und lässt den Herstellern daher viel Argumentationsspielraum.
Artikel 4 der Elektronikschrott-Richtlinie
