05.02.2005

PREISKAMPF

Gute Geschäfte für Tinten-Discounter

Erlesene Weine und Luxusparfüme wirken gegen sie wie ein Schnäppchen: Druckertinte hat den Weg zu einer der weltweit teuersten Flüssigkeiten geschafft.

Hersteller Hewlett Packard [HP] verlangt für einen mit nur acht Milliliter gefüllten Farbdruckkopf 23 Euro, macht pro Liter stolze 2.875 Euro.

Der Markt ist dementsprechend hart umkämpft. Mit unterschiedlichen Strategien versuchen die Druckerbauer, billigere Fremdanbieter bei der Tinte auf Abstand zu halten.

"Bei weltweit mehr als 270 Millionen verkauften Tintenstrahldruckern ist der Verkauf von Tintenpatronen für uns - wie für alle Druckerhersteller - ein großes, wichtiges Geschäft", betont Ralf Groh, HP-Vertriebsdirektor Zubehör Deutschland.

Drucker binden Kunden

Ein offenes Geheimnis ist, dass vor allem die sündhaft teuren Nachkaufpatronen einen wesentlichen Beitrag zum Gewinn der Druckersparten der Gerätebauer leisten. Der Verkauf des Druckers ist aus ihrer Sicht im Idealfall deshalb nur der Beginn einer langen Beziehung zum Kunden.

"Die Hersteller bestreiten vehement, dass Tintenstrahldrucker unter Preis verkauft werden", beschreibt Tim Gerber vom Computermagazin "c't" die Eigenheiten der Branche. "Es ist aber ein lukratives Geschäft, Verbraucher zu ködern."

Tatsächlich gibt es Neugeräte bereits ab 40 Euro. Nach einigen Ersatzfüllungen ist derselbe Betrag zuweilen schnell erneut ausgegeben.

Bei jährlich drei Millionen in Deutschland verkauften Tintenstrahldruckern boomt das Nachfüllgeschäft. Um sich diese Einnahmen und ihr Liefermonopol zu sichern, unternehmen einige Anbieter erhebliche Anstrengungen.

Zwei Mrd. Euro Umsatz pro Jahr

Doch auch das bremst die billigere Konkurrenz nicht aus. Dritthersteller wie Refill24, Pelikan Hardcopy, KMP Printtechnik, K+U Printware und andere sammeln systematisch leere Tintenkartuschen, befüllen sie und können so Originalpatronen ohne Patentverletzungen bis zu 70 Prozent günstiger anbieten.

In Europa setzen die so genannten Refiller mittlerweile jährlich zwei Milliarden Euro um.

Die Originalhersteller kontern teilweise mit einem Software-Kniff: So lässt sich die Füllstandsanzeige zuweilen nicht überreden, wieder aufgefüllte Patronen auch als voll anzuzeigen. Mit Tricks ist aber auch dieses Problem zu umgehen.

Wesentlich leichter ist es bei Canon und Epson, auf Fremdware umzusteigen, denn dort können Tintentanks weitgehend problemlos ausgetauscht oder nachgefüllt werden.

Die Firmen haben deshalb ihre Preise auf das billigere Segment eingestellt und werben mit Qualität. "Wie auch in anderen Branchen existieren hier unterschiedliche Qualitätsstufen und Preismarken", betont Epson-Manager Arens, dessen Unternehmen mit humorvollen Anzeigen versucht, die Kunden vom Original zu überzeugen.

Spezialpapier vonnöten

Die Markenware kann allerdings auch nur trumpfen, wenn teure Spezialpapiere verwendet werden: Wer seinem Drucker nur billiges Kopierpapier gönnt, kann sich den Griff zur teuren Originalpatrone sparen.