Neue Standardpreise für Musik-CDs
Universal Music, die Tochter des französischen Medienkonzerns Vivendi, startet am Montag in Deutschland mit "Entdecker-Preisen" für CDs. Damit solle mehr Kaufanreiz gegeben und der Tonträgermarkt belebt werden, sagte der Deutschland-Chef von Universal der "Financial Times Deutschland" [Montag-Ausgabe].
Das Modell sehe vor, CDs von wenig bekannten Interpreten anfangs zum "Entdeckerpreis" von rund 13 Euro pro Stück zu verkaufen. Mit zunehmendem Erfolg der jeweiligen Band solle der Preis steigen.
Die Sony-Bertelsmann-Musiksparte BMG testet seit dem vergangenen Jahr ein Dreistufenmodell bei den CD-Preisen. Neben einer Luxusversion für 16,99 Euro gibt es eine Standardvariante [12,99 Euro] und eine Billigausgabe [9,99 Euro].
September 2004: BMG sieht neues CD-Modell bereits auf Erfolgskurs"Je bekannter, desto teurer"
"Entdeckerpreise", die mit zunehmender Popularität der Band steigen, wünscht sich jedenfalls die Musikindustrie. "Je bekannter, desto teurer" ist ein Prinzip, das dem bisherigen Geschäftsmodell der Musikindustrie in puncto Gewinnträchtigkeit enorm entgegenkommt: Die Marketing-Etats werden in wenige Superstars investiert, die dann Entsprechendes zurückbringen.
Auch in der Unterklasse folgt Universal ziemlich genau dem BMG-Modell.
Nach einer gewissen Zeitspanne wird bei Universal für rund zehn Euro ein anderes Format mit einer relativ einfachen Verpackung folgen - ähnlich der Taschenbuchversion im Buchhandel. Bei etablierten Künstlern wie Opernstar Anna Netrebko gebe es für anspruchsvolle Kunden künftig "Deluxe-Versionen" mit zusätzlichem Inhalt. Der Preis solle etwa ein Viertel über dem herkömmlicher Neuerscheinungen liegen, hieß es - also bei 17 Euro.
Deutschland ist das erste Land, in dem Universal sein Preismodell testet. Es gilt für alle Musikgenres und sowohl für nationale als auch internationale Künstler.
Wenn der Absatz flaut
Ziel ist es natürlich auch, den flauen CD-Absatz zu beleben. Da
Musik zunehmend legal oder illegal aus dem Internet heruntergeladen
wird, hat die Musikbranche 2004 nur noch 133 Millionen Tonträger
verkauft. Fünf Jahre davor waren es noch fast 200 Millionen gewesen.
Auch heuer wurden deutlich weniger CDs verkauft. Im Mai betrug das
Minus in Deutschland neun Prozent, im April 13 Prozent im Vergleich
zum entsprechenden Vorjahresmonat. Nach einem guten
Weihnachtsgeschäft und einem zweistelligen Plus im Jänner fürchteten
Manager großer Plattenfirmen nun, dass der deutsche Musikmarkt zum
Ende dieses Jahres um bis zu fünf Prozent schrumpfen könnte.
CD-Absatz in Deutschland im Sinkflug
