Infineon weitet Verluste deutlich aus
Infineon hat im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2004/05 wegen gesunkener Chippreise seinen Verlust stärker ausgeweitet als erwartet.
Der Verlust vor Zinsen und Steuern [EBIT] belaufe sich auf 234 Millionen Euro nach 117 Millionen Euro im zweiten Quartal 2004/05, teilte Europas größter Chiphersteller am Dienstag mit. Der Fehlbetrag unter dem Strich betrug 240 Millionen Euro nach 114 Millionen Euro im Vorquartal. Der Umsatz lag von April bis Juni unverändert bei 1,606 Milliarden Euro.
Das sei hauptsächlich auf das niedrigere Preisniveau bei Speicherprodukten und den anhaltenden Preisdruck bei Sicherheits- und Chipkarten zurückzuführen, hieß es. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem operativen Verlust inklusive Einmalaufwendungen von 165 Millionen Euro gerechnet.
Die Sonderaufwendungen beliefen sich den Angaben zufolge auf Grund der auslaufenden Produktion in München-Perlach und Wertminderungen im Segment Kommunikation auf 81 Millionen Euro.
Spannung vor Infineons QuartalszahlenKeine Börsengang der Speicherchip-Sparte
Unternehmenschef Wolfgang Ziebart sagte zum Ausblick auf das vierte Quartal, dass er im Vergleich zum dritten Quartal mit einer Verbesserung rechne - die Verluste sollen reduziert werden. Insgesamt hofft er im vierten Quartal auf einen verbesserten Umsatz und EBIT, rechnet aber nicht mehr schwarzen Zahlen.
Für die wichtige Speicherchip-Sparte, die 40 Prozent des Infineon-Umsatzes ausmacht, rechnet das Unternehmen mit einem nahezu ausgeglichenen Verhältnis von Angebot und Nachfrage und daraus resultierender Preisstabilität.
Auf die Frage, ob die Speicherchip-Sparte, deren Chef Andreas von Zitzewitz vor kurzem wegen einer Schmiergeldaffäre zurückgetreten war, im Herbst an die Börse gebracht werde, sagte Ziebart bei einer Telefonkonferenz mit Analysten: "Nein". Ein Nachfolger für Zitzewitz soll innerhalb eines Jahres gefunden werden, vorzugsweise intern, so Ziebart.
Die Lieferung von Chips für Siemens-Handys der 65- und 75-Serie hat Infineon für ein Jahr gesichert. Rund 30 Prozent seines Handygeschäfts macht Infineon mit dem ehemaligen Mutterkonzern.
Woche der Entscheidung für SiemensPositiver DRAM-Preisanstieg
Laut Ziebart rechnet Infineon in einigen Geschäftsbereichen wie etwa dem Handygeschäft und bei Chipkarten noch für mehrere Quartale mit Verlusten. Infineon habe jedoch einen Anstieg bei den DRAM-Preisen verzeichnet, was positiv sei, so Ziebart weiter.
Für das laufende Quartal rechnet der Hersteller mit einem stabilen Lagerbestand. "Das Niveau des Lagerbestands im Moment ist in Ordnung, und wir gehen davon aus, dass es in diesem Quartal stabil bleiben wird", sagte ein Infineon-Manager am Dienstag in einer Telefonkonferenz für Analysten.
Auf die ersten neun Monate des Geschäftsjahrs gerechnet lag Infineons Verlust bei 212 Millionen Euro gegenüber einem Konzernüberschuss von 17 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Gesamtumsatz betrug 5,03 Milliarden Euro und lag damit um drei Prozent unter dem des Vorjahres.
Nach dem Schmiergeldskandal soll die Ernst & Young die internen Prüf- und Kontrollsysteme bei dem Chipkonzern unter die Lupe nehmen. Infineon sei an einer umfassenden Aufklärung der Vorwürfe interessiert, so Ziebart. Allerdings sei die Aufarbeitung der Geschichte nicht die wichtigste Aufgabe. Vor allem müsse das Unternehmen auf einen zukunftsträchtigen Weg gebracht werden.
Infineon prüft interne Kontrollen
