Spannung vor Infineons Quartalszahlen
Wenn der Konzern morgen Quartalszahlen präsentiert, dürfte die Bilanz in den Hintergrund treten, zumal Experten ohnehin mit schlechten Zahlen rechnen.
Das Augenmerk der Investoren und Analysten richtet sich vielmehr auf die Zukunft der Speicherchip-Sparte, nachdem der für den Bereich zuständige Andreas von Zitzewitz zurückgetreten ist.
Erst vor kurzem hat Infineon die Produktion von Speicherchips auf die engmaschigere 90-Nanometer-Technologie umgestellt. Damit sollen die Produktionskosten verringert werden.
Sollte die Suche nach einem Nachfolger für von Zitzewitz länger dauern, laufe Infineon Gefahr, den Rückstand gegenüber Konkurrent Samsung auszuweiten, meint Analyst Theo Kitz von Merck Finck. Derzeit führt Wolfgang Ziebart die Geschäfte der Sparte. Rund 40 Prozent des Umsatzes macht Infineon mit DRAM-Speicherchips.
Von Zitzewitz war ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Er steht im Verdacht, für die Vermittlung von Werbeverträgen für Motorsport-Veranstaltungen Schmiergelder erhalten zu haben.
Infineon unter DauerbeschussGerüchte über Börsengang
Neben Informationen zum Nachfolger für von Zitzewitz erhoffen sich die Analysten auch Aussagen zu einer möglichen Abspaltung der Sparte. Bevor die Affäre um von Zitzewitz bekannt wurde, gab es Gerüchte, dass Infineon einen Börsengang der Speicherchip-Sparte ins Auge fasse und damit vor einer grundlegenden Änderung der Konzernstrategie stehe.
Der Abgang von Zitzewitz' könnte dieses Vorhaben nun deutlich verzögern, da ein erfolgreicher Börsengang ohne Chef schlecht zu realisieren wäre, meinen Experten. Infineon hat sich zu solchen Plänen offiziell noch nicht geäußert.
Mit Problemen kämpft Infineon auch bei den Handychips. So steht die Frage im Raum, ob Infineon nach dem Verkauf der Siemens-Handysparte an BenQ diese als Kunden halten kann. BenQ kündigte aber bereits an, nur weiter bei Infineon zu bestellen, wenn der Preis stimme. 30 Prozent seines Handygeschäfts machte Infineon mit seiner ehemaligen Muttergesellschaft Siemens.
Für das dritte Geschäftsquartal [per Ende Juni] rechnen Experten wegen der gefallenen Speicherchip-Preise mit einer Ausweitung des Verlustes vor Steuern und Zinsen [EBIT] auf 165 Mio. Euro von 117 Mio. Euro im zweiten Quartal.
Infineon mit düsterem Ausblick
