25 Jahre Haft für Ex-WorldCom-Chef
Vom Milchmann, Türsteher und Sportlehrer zu einer der mächtigsten Figuren der US-Telekombranche: Früher verkörperte Bernard Ebbers den amerikanischen Traum.
Heute aber ist er nur noch der personifizierte Albtraum aller Anleger. Der Gründer des Skandal- und Pleitekonzerns WorldCom ist ebenso steil abgestürzt wie er einst nach oben schoss.
Drei Jahre nach der Pleite des US-Telekomgiganten WorldCom ist Ex-Chef Ebbers nun von einem New Yorker Gericht wegen Betruges zu einer Haftstrafe von 25 Jahren verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert.
In den Bilanzen von WorldCom wurden Fehlbuchungen über elf Milliarden Dollar [9,03 Mrd. Euro] aufgedeckt. Ebbers soll Mitarbeiter angehalten haben, die Bücher zu frisieren.
Im Oktober soll Ebbers die Haftstrafe antreten. Die Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung hat die Richterin ausgeschlossen.
Ebbers war bereits im März von dem Bundesgericht der Verschwörung, des Betrugs und des Einreichens falscher Dokumente bei den Aufsichtsbehörden für schuldig befunden worden.
Ex-WorldCom-Chef schuldig gesprochenSechs Topmanager beteiligt
Der WorldCom-Skandal hatte vor drei Jahren ein Erdbeben in der Finanzwelt ausgelöst. Im Juni 2002 musste der Konzern einräumen, über eineinhalb Jahre hinweg 3,85 Mrd. Dollar an Ausgaben für gemietete Telefonleitungen als Investitionen statt als laufende Kosten verbucht zu haben.
Daraufhin stürzte die Aktie um mehr als 90 Prozent ab. Anleger verloren Milliarden und 20.000 Beschäftigte ihre Jobs.
Ebbers war eine von sechs Personen, die im Zusammenhang mit dem Fälschungsskandal angeklagt waren. Fünf von ihnen hatten sich schuldig bekannt, darunter auch der ehemalige Finanzchef Scott Sullivan.
Die Geschworenen wollten Ebbers nicht abkaufen, dass er von den Finanz-Tricksereien in seinem Konzern nichts gewusst habe. Der für seine Detailversessenheit bekannte Tycoon, der sich sogar über die Kaffee-Kosten in seiner Firma den Kopf zerbrach, wollte die ganze Schuld auf seinen früheren Finanzchef Scott Sullivan schieben.
Die Juroren aber hielten Sullivan für glaubwürdiger. Dieser sagte als Kronzeuge aus, Ebbers habe seine Mitarbeiter unter Druck gesetzt, die Bilanzen zu frisieren.
Für Ebbers ist das Leben in Luxus und Reichtum nun vorbei. Erst vor wenigen Tagen willigte er ein, fast sein gesamtes Restvermögen abzustoßen, um Forderungen früherer Anleger von etwa 45 Millionen Dollar zu begleichen.
Ex-Chef von WorldCom in BedrängnisWerdegang des "Telekom-Cowboys"
Damit ist die Karriere eines außergewöhnlich Aufsteigers dramatisch gescheitert. Ebbers, in Kanada geboren, stieg als Betreiber einer Motel-Kette im US-Südstaat Mississippi in das Geschäftsleben ein.
Mit Freunden gründete er Anfang der achtziger Jahre eine kleine Telefongesellschaft, die er über die Jahre hinweg durch eine Serie von Aufkäufen zu einem Giganten hochzog.
Nebenher sorgte der 1,90-Meter-Hüne auch durch sein unkonventionelles Auftreten für Aufsehen: Wegen seiner Vorliebe für Jeans und Cowboystiefel wurde er der "Telekom-Cowboy" genannt.
Sein spektakulärster Coup gelang Ebbers 1997, als WorldCom zum Preis von 40 Milliarden Dollar den Konkurrenten MCI schluckte.
Zwei Jahre später, als Ebbers zum Preis von mehr als 115 Milliarden Dollar den Rivalen Sprint aufkaufen wollte, schoben die Wettbewerbshüter aber einen Riegel davor. Dieser Rückschlag, verbunden mit einem allgemeinen Abwärtstrend auf dem Telekommunikationsmarkt, war der Anfang vom Ende von WorldCom.
Die Bilanzpfuschereien, mit denen der Konzern seine immer schwierigere Lage zu kaschieren suchte, begannen kurz danach.
Drei Jahre nach dem Skandal ist der Konzern unter dem Namen MCI fast wieder aus den roten Zahlen.
Heute steht MCI vor der Übernahme durch den Konkurrenten Verizon, der damit gegen AT&T seine Spitzenstellung auf dem US-Telefonmarkt verteidigen will.
Bieterschlacht um Telekom-Riesen
