Teure Roaming-Kosten ausgetrickst
Die großen Netzbetreiber T-Mobile und mobilkom haben ihre Roamingtarife zwar gesenkt und etwas übersichtlicher gemacht, doch so wirklich günstig sind Gesprächsgebühren für Anrufe nach Österreich aus den beliebten Urlaubsländern mit Mindestkosten von knapp einem Euro pro Minute nicht.
Vor allem dann nicht, wenn für jedes ankommende Gespräch in Griechenland oder Spanien ebenfalls 40 Cent pro Minute zu entrichten sind. Also: Voice-Mailbox neu besprechen, abschalten und aus dem Urlaub anders kommunizieren, wenn man den Roaming-Euro nicht entrichten will.
Pauschalrezepte, wie man hohe Gebühren generell vermeidet, gibt es zwar nicht, die Vorgehensweise richtet sich ausschließlich nach den Telefonier-Bedürfnissen sowie dem Urlaubsland. Und: Etwas Tüftelei gehört dazu, weil die Tarife und Bedingungen überall verschieden sind.
Nach den Regulationsdrohungen der EU-Kommission verweisen mobilkom und T-Mobile auf Gebührensenkungen für Urlaubsländer. Bei T-Mobile fallen pro Minute für Anrufe aus Europas Urlaubsländern Mindestgebühren von 0,85 bis 0,95 Euro an.
Hohe Roaming-Kosten in der KritikPack das alte Handy ein
Wer auch im Urlaub ständig erreichbar sein will, tut generell gut daran, sein altes [entsperrtes] Handy mitzunehmen und sich vor Ort dann SIM-Card und Gesprächsguthaben bei einem Handy-Netzbetreiber zu besorgen. Die SIM-Cards fallen einmalig mit Summen um die 13 Euro zu Buche.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Wer sein altes Handy so in ein italienisches oder spanisches Wertkarten-Handy verwandelt, bezahlt keine Gebühren, wenn er angerufen wird.
Der soziale Nutzen ist, dass erstens nur ein auserwählter Kreis von Personen, denen man die Nummer zukommen lässt, die Urlaubsruhe stören kann. Zum zweiten dauern die Anrufe tendenziell weniger lang, weil der Anrufende in der Regel weiß, dass Gespräche auf eine ausländische Handynummer teuer sind.
Umgekehrt ist auch was wert
Dazu kommt, dass Anrufe von ausländischen Wertkarten-Handys in
Österreichs Festnetz häufig billiger sind, als die jeweiligen
Roaming-Tarife österreichischer Handynetzbetreiber.
Eu-Kommission droht MobilfunkernAm Günstigsten
Noch günstiger wird es freilich, wenn man zusätzlich die Festnetz-Dienste eines internationalen Einwahl-Anbieters wie der österreichischen Mitacs in Anspruch nimmt. Mitacs unterhält in 32 Ländern für den Anrufer kostenlose 0800-Einwahlnummern, über die dann der Anruf nach Österreich umgeleitet und in den heimischen Netzen terminiert wird.
Am Günstigsten fährt man in einigen Ländern paradoxerweise mit dem Telefon im Hotel, denn Anrufe bei 0800-Nummern sind in Europas Festnetzen in der Regel kostenlos. Mitacs "Platinplus"-Service bietet Spanien - Österreich [Festnetz zu Festnetz] um 6,9 Cent pro Minute an, also um weniger als ein Zehntel der günstigsten Roaminggebühr.
Sollte die 0800 Nummer - was möglich ist - durch das Hotel gesperrt sein, dann greift man zum spanischen Wertkartenhandy und ruft damit zu denselben Kosten an.
In zehn Ländern steht alternativ, falls die 0800 gesperrt sein sollte, auch eine örtliche Festnetz-Einwahl zur Verfügung. Zur internationalen Gebühr kommen dann noch die Kosten von Mobil auf Festnetz.Der Platinplustarif von Mitacs kennt keine Grundgebühren.
Die TarifübersichtDie Wahl des rechten Netzbetreibers
Man ruft etwa von der guten alten Handgurke, die in ein griechisches Wertkartenhandy verwandelt wurde, vom Strand in Rhodos die [kostenlose] griechische 0800-Nummer von Mitacs an und wird von dort nach Österreich ins Festnetz umgeroutet. Mitacs verrechnet dafür 27,9 Cent pro Minute.
Im zitierten Beispiel fallen für die SIM-Card Einmal-Kosten von 11,73 Euro an. Die Gesprächsminute kommt so auf 27,9 Cent - etwa ein Drittel des günstigsten Roamingtarifs.
Bei der Wahl des Handynetzbetreibers im Urlaub gilt die Faustregel: Am besten fährt man bei den 0800er Nummern bei den Handy-Töchtern der nationalen Telekoms, naturgemäß sind auch hier die Kosten Handy-Festnetz am Niedrigsten. Die griechische OTE-Tochter Cosmote verrechnet dafür z.B. 5,5 Cent.
Wer vorhat, im Urlaub viel vor Ort in verschiedene Netze zu telefonieren, sollte wiederum nach einem Diskonter a la Yesss Auschau halten.
Mehr über Theorie und Praxis des Entsperrens von Handys samt Erörterung der Frage nach der Legalität dieses Unterfangen kommt im nächsten Teil der Serie.
