Hohe Roaming-Kosten in der Kritik
Alle Jahre wieder zu Urlaubsbeginn entsinnt man sich der Roaming-Kosten, die Aufforderung der EU-Kommission an die Mobilfunkbetreiber zu mehr Transparenz und Kostensenkung [siehe unten] wurde heuer allerdings besonders scharf formuliert. Kommissarin Viviane Reding hatte unverhohlen mit einer Regelung von oben, also mit so genannten Regulierungsmaßnahmen gedroht
Was pro Jahr zu Jahr immer auffälliger wird, ist, dass bei ständig fallenden Inlandspreisen überall in Europa die Roamingkosten seit Jahren praktisch unverändert sind und in einem auffälligen Missverhältnis zueinander stehen.
So schlägt der günstigste Tarif von einem T-Mobile-Handy aus Österreich nach Deutschland mit 36 Cent pro Minute zu Buche. Umgekehrt fallen für denselben T-Mobile-Kunden für Gespräche aus Deutschland nach Österreich 1,19 Euro an, der Aufschlag beträgt also um die 200 Prozent. Und das, obwohl das Gespräch im Heimat-Netz der deutschen Konzernmutter geführt wird und im Netz der Tochter T-Mobile Austria terminiert.
Die zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding hat am Montag rechtliche Schritte angedroht, wenn die Mobilfunker bis zum kommenden Jahr ihre Tarife für Gespräche aus dem Ausland nicht senken sollten. Es sei inakzeptabel, dass es innerhalb Europas so große Unterschiede bei den Verbraucherpreisen gebe, so Reding weiter. Dem könne die Kommission auf Dauer nicht tatenlos zusehen.
EU-Kommission droht Mobilfunkern"Happy Hour" und "Eurocall"-Tarif
Um die alljährliche Welle der Wut von Urlaubern, die etwa übersehen haben, dass ein Anruf, der auf einem A1-Handy in Thailand entgegengenommen wurde, mit 1,90 Euro pro Minute abgerechnet wurde vorzubeugen, haben die großen Anbieter reagiert.
Die mobilkom verweist auf "attraktive Roamingangebote" wie den Vodafone EurocallTarif mit einheitlichen Gebühren zu ausgewählten Partnernetzen in 30 Ländern zwischen 0,80 und 1,20 Euro/min. Das gilt für Business- wie Privatkunden, wobei Letztere genau das Doppelte der Ersteren für entgegengenomme Anrufe Zahlen [80 Cent bzw. 39 pro Minute]
Dazu kommt die Roaming-Aktion "A1 Happy Hour", die im Juli und August läuft. Von den wichtigsten Urlaubsdestinationen werden in der Zeit von 21.00 bis acht Uhr Morgens [jeweils Ortszeit] nur die Hälfte der Gebühren verrechnet.
Die Tarife von A1"Deutschland ist ein heikler Punkt"
T-Mobile hat sein Abrechnungsmodell im Sinne von "mehr Transparenz und Kalkulierbarkeit" in Europa überhaupt umgestellt.
Die populären Urlaubsländer - egal bei welchem Netzbetreiber man dort telefoniert - sind allesamt in der Tarifzone 1 zu finden, pro Minute fallen zwischen 0,85 bis 0,95 Euro an. Damit telefoniert man aus Madeira oder Zypern billiger nach Österreich, als etwa zum normalen Business-Tarif aus Deutschland.
"Deutschland ist ein heikler Punkt", sagte Manuela Bruck, Pressesprecherin von T-Mobile Österreich, der Grund dafür liege bei den allgemein deutlich teureren Endkundentarifen in Deutschland. Aber: "Hier ist sicherlich noch nicht das letzte Wort gesprochen."
Für österreichische Business-Kunden, die viel aus Deutschland nach Österreich telefonieren, empfehle sich der Tarif "World Class Premium" für 45 Cent pro Minute.
Die T-Mobile-Tarife"Europaweit im Mittelfeld"
Dass die österreichischen Mobilfunker ausländischen Anbietern für Roaming zu teure Vorleistungen verrechnen würden, weisen die großen heimischen Betreiber klar zurück. "Wir sind sicher nicht die ersten in der EU, bei denen Handlungsbedarf besteht", so Bruck.
Österreichs Mobilfunker lägen hier im europäischen Vergleich im Mittelfeld. Das habe selbst die EU-Kommission bestätigt, betont man auch bei der mobilkom.
EU-weit betrachtet sei es aber "an der Zeit, dass die Roamingpreise dem Wettbewerb ausgesetzt werden", räumt man auch bei T-Mobile ein. "Das kommt der ganzen Industrie zu gute", glaubt Bruck. Bei tele.ring zeigt man dagegen Verständnis für die Tarifschwankungen. "Bier kostet ja auch nicht in jedem EU-Land gleich viel", meinte Unternehmenssprecher Walter Sattelberger.
