11.07.2005

ROAMING

EU-Kommission droht Mobilfunkern

Die zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding drohte in einem Interview mit dem "Standard" und der "Berliner Zeitung" [Montag-Ausgaben] rechtliche Schritte an, wenn die Mobilfunker bis zum kommenden Jahr ihre Tarife für Gespräche aus dem Ausland nicht senken sollten.

Es sei inakzeptabel, dass es innerhalb Europas so große Unterschiede bei den Verbraucherpreisen gibt, so Reding.

"Wenn die Industrie nicht so schnell wie möglich für Verbraucher nachvollziehbare Tarifstrukturen vorgibt, dann bleibt das Auslandsroaming ein Ärgernis, statt eine sinnvolle Dienstleistung zu sein. Dem können wir auf Dauer nicht tatenlos zusehen", meinte Reding im "Standard".

Es müsse und dürfe etwas kosten, wenn die Mobilfunker mit anderen Netzbetreibern Verträge abschließen, so Reding, die Preise dafür seien aber überdurchschnittlich hoch und sehr unterschiedlich.

Kundeninformation

Reisende würden nicht im Vorhinein über die Kosten informiert. Selbst wenn man sein Telefon ausschalte und nur die Mobilbox funktioniere, entstünden Auslandsroaming-Kosten, kritisiert Reding. Die Transparenz für den Verbraucher sei gleich null.

Im Mobilfunk wollen die Brüsseler Behörden zunächst einmal mit Aufklärung arbeiten.

Ab Oktober will die EU-Kommission eine eigene Website einrichten. Dort soll der Status der internationalen Roaming-Preise "erhoben und präsentiert werden, um dem Kunden zu zeigen, was los ist".

Zudem werde in "enger Zusammenarbeit" zwischen der Kommission und den nationalen Behörden wie der österreichischen Regulierungsbehörde von den EU-Dienststellen analysiert, was in den einzelnen Märkten geschieht, so Reding weiter.

Untersuchung startet im Herbst

Die österreichische Telekom Controll Komission [TKK] wird im Herbst eine Überprüfung der Roaming-Gebühren starten. Dabei sollen jene Kosten untersucht werden, die Österreichs Mobilfunker ausländischen Anbietern verrechnen, wenn deren Kunden hier zu Lande telefonieren. Ergebnisse seien bis Jahresende zu erwarten, so RTR-Chef Georg Serentschy.

Redings Bewertung, wonach die Roaming-Gebühren in Europa generell zu hoch seien, wollte sich der Serentschy vorerst nicht anschließen. Die Aussagen seien "politisch" zu werten. Es stünden "Vermutungen im Raum". Die tatsächliche Prüfung des Markts der Roaming-Vorleistungen sei noch in keinem der 25 EU-Länder abgeschlossen worden.

Die EU-Kommissarin selbst hofft, dass ihre Warnung an die Konsumenten Wirkung zeigen wird. Sie wolle nicht sofort regulieren, sondern vertraue darauf, dass der Markt das selber löse. Erste Bewegung bei den Mobilfunkern zeichne sich bereits ab.