DJs im digitalen Zeitalter
Als sich Anfang der 90er Jahre die DJ-Kultur entwickelt hat, waren die Aufgaben eines "Disc Jockeys" ganz klar: mit zwei Plattenspielern, einem Mischpult und jeder Menge Vinyl-Schallplatten möglichst viele Leute zum Tanzen zu bringen. Während der Anspruch der Partygeher im weitesten Sinn derselbe geblieben ist, hat sich bei den DJs einiges verändert - das digitale Zeitalter ist hereingebrochen.
Nicht nur, dass die CD die Vinyl-Schallplatte längst überholt hat, Notebooks, MP3-Player und andere Gadgets gehören mittlerweile bei vielen DJs zur Standardausrüstung.
Für die "Plattenaufleger" bedeutet das zum einen Erleichterung; theoretisch sind die Zeiten vorbei, in denen man kistenweise Platten zu einem Auftritt schleppen musste. Für viele bedeutet der Umstieg aber auch eine grundsätzliche Gewissensfrage, über die in der Szene viel diskutiert wird.
Totgesagte leben länger
Bei der Einführung der CD wurde behauptet, dass diese eine viel
längere Lebendauer als die Vinyl-Schallplatte hätte. Mittlerweile
zeigt sich aber, dass das nicht unbedingt der Fall ist: Bei älteren
CDs stellen sich auch Abnutzungserscheinungen ein.
Langsamer Abschied von der KassetteMP3s auf Schallplatte
Maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen hat vor etwa drei Jahren die Markteinführung mehrerer Steuerungs-Tools, mit denen DJs MP3s von ihrem Notebook unter Verwendung herkömmlicher Plattenspieler abspielen können. Vor allem hat sich dabei das System "Final Scratch" des Herstellers Stanton durchgesetzt.
Dabei werden zwei spezielle Vinyl-Platten verwendet, auf denen sich lediglich ein Zeitcode befindet und ein Hardware-Interface, das zwischen Notebook und Plattenspieler geschaltet wird. Der DJ sucht sich die gewünschten Lieder also auf seinem Rechner aus, kann dann aber in gewohnter Manier damit umgehen und Songs per Vinyl mixen oder auch scratchen.
Mittlerweile haben sich auch DJ-CD-Player einen guten Ruf erarbeitet, indem sie die selben Möglichkeiten zur Echtzeit-Manipulation der abgespielten Musik wie Plattenspieler bieten und diese auch überzeugend umsetzen können.
Doch auch der iPod wird in DJ-Kreisen immer beliebter. Numark, ein Hersteller von DJ-Equipment, will deshalb schon bald ein iPod-Mischpult auf den Markt bringen, das für den Umgang mit digitaler Musik optimiert ist.
Songs mixen von der Tanzfläche
Forscher des PC- und Drucker-Herstellers Hewlett-Packard [HP]
entwickeln derzeit ein Gerät, das DJs ihre Arbeit erleichtern soll.
Das Gerät kann drahtlos auf die digitale Musik-Datenbank des DJs
zugreifen und einzelne Songs mixen.
HP erleichtert DJs die ArbeitIPod-Clubbings rund um die Welt
Natürlich gibt es mittlerweile auch eine große Auswahl an Software, die dem DJ das Mixen zweier Musikstücke vereinfacht oder ganz abnimmt. Bei Live-DJ-Sets ist die Verwendung solcher Hilfsmittel aber eher verpönt.
Der Siegeszug der digitalen Musik macht es auch für viele Nutzer einfacher, sich selbst einmal als DJ zu versuchen. So werden etwa rund um den Globus immer öfter so genannte iPod-Clubbings veranstaltet, bei denen jeder Besucher seinen iPod mit einer Playlist aus drei Songs an die Lautsprecher hängen darf.
Immer mehr DJs werden also zu "Digital Jockeys", im Endeffekt ist die Wahl des Mediums reine Geschmackssache, auch wenn die Soundqualität [unabhängig vom Genre] dabei zunehmend auf der Strecke bleibt.
