Langsamer Abschied von der Kassette
Seit ihrer Einführung in den 60er Jahren war die Audiokassette ein wichtiger Bestandteil der Musikkultur. Die Musikindustrie ist sich jedoch sicher, dass das gute alte Tape bald endgültig ausgedient haben wird - zumindest in der westlichen Welt.
Während zu Kassetten-Hochzeiten Mitte der 80er Jahre weltweit jährlich 900 Millionen Stück verkauft wurden, hat der einst so hippe Tonträger 2004 seinen absoluten Tiefpunkt erreicht.
Das vom niederländischen Elektronikkonzern Philips entwickelte Format setzte sich in den 60er Jahren vor allem deshalb so schnell durch, weil der Hersteller keine Lizenzgebühren für das Patent verlangte und deshalb schnell auch andere Firmen mit der Produktion begannen. Außerdem war die Kassette eine willkommene mobile Alternative zum Vinyl.
Im Gegensatz zur damals üblichen Vinyl-Schallplatte war die Kassette handlich und robuster, obwohl zu häufiges Abspielen oftmals zum Bandsalat führte.
40 Jahre tragbare MusikDer Walkman-Lifestyle
Gemeinsam mit dem Ende der 70er Jahre von Sony eingeführten Walkman war der mobile Musik-Lifestyle perfekt.
Mit der Einführung der Audiokassette und damit der Möglichkeit, Mitschnitte aus Fernsehen, Radio und Schallplatte aufzunehmen, wurde auch der Grundstein für das Tauschen von Musik gelegt. Schon damals fürchtete die Musikindustrie, dass sie dadurch Umsätze einbüßt.
Und das ist bis heute so: Erst vergangene Woche gab es in einem New Yorker Musikgeschäft eine Razzia, weil ein Mitarbeiter von Sony Music auf die dort angebotenen "Mixtapes" aufmerksam geworden war, die zum Teil unlizenziertes Material beinhalteten.
Dass "Mixtapes" aber vor allem in der DJ-Kultur einen wichtigen Stellenwert haben, wo sowieso genug Geld für Musik ausgegeben wird und obendrein die Verwendung eines Songs auf einem Tape oft mehr Werbung bringt, als teure Anzeigenkampagnen, hat die Musikindustrie offenbar nicht verstanden.
Während mittlerweile aber vor allem Musik-Downloads für die rückläufigen Umsätze verantwortlich gemacht werden, hat die OECD nun in einer Studie das Gegenteil behauptet.
Musikindustrie muss flexibler werdenNachfrage in Asien
Auch wenn in unseren Breitengraden Kassette und Walkman längst von CDs, MP3s und digitalen Musikplayern überholt wurden, bleibt das Format anderswo weiterhin Standard.
In der Türkei werden nach wie vor etwa 88 Millionen Musikkassetten im Jahr verkauft, in Indien sind es 80 Millionen. In diesen Ländern wird immer noch die Hälfte der Musikumsätze mit Tapes gemacht, in Saudi-Arabien sind es noch 70 Prozent.
Doch nachdem die größte Magnetbandproduktion in den USA vor kurzem eingestellt wurde, wird nun befürchtet, dass es künftig trotz Nachfrage Engpässe geben könnte.
Als Vermächtnis bleiben aber Begriffe wie "Play" und "Fast Forward", die unvermeidlich mit den Tapes in Verbindung gebracht werden.
