Bwin: Gebeutelt, aber optimistisch

19.03.2008

Der österreichische Wettanbieter bwin hofft, mit EU-Hilfe auf den US-Glücksspielmarkt zurückzukehren. Der wird nach dem erzwungenen Rückzug von bwin und anderen börsennotierten Unternehmen von dubiosen Karibikfirmen dominiert.

Zur Beschreibung der momentanen Lage des österreichischen Wettanbieters bwin greift man besten zu einem Ausdruck aus der Umgangssprache: "Denen geht es echt gemischt."

An sich guten Umsätzen steht eine Unzahl von Gerichtsverfahren in mehreren Ländern gegenüber, wo man sich mit Landes- oder Bundesmonopolen für Glücksspielangebote im Clinch befindet.

Zwangsgelder und der BGH

Es ist ein einziges Auf und Ab durch den Instanzenweg. Am Montag erst hatte der deutsche Bundesgerichtshof [BGH] in Karlsruhe bwins Antrag auf Vollstreckungsschutz abgelehnt.

Monopolist Westlotto darf weiterhin Zwangsgelder kassieren, das BGH-Urteil darüber, ob bwin mit seinem Internet-Wettangebot überhaupt gegen das deutsche Glücksspielmonopol verstößt, ist frühestens in einem Jahr zu erwarten.

Absturz am Montag

Im Sog der Baisse am vergangenen Montag fiel das bwin-Papier um beinahe zehn Prozent, ein Sturz, von dem sich die Aktie nur langsam wieder erholt. Mitte Februar wiederum fällte der BGH ein Urteil, das ebenfalls nur als "gemischt" bezeichnet werden kann. Zwar wurden die Angebote bwin und Co. nicht als wettbewerbswidrig erklärt, aber nur für den Zeitraum vor 2006.

Seit Jahresbeginn ist in Deutschland ein neuer Glücksspielstaatsvertrag in Kraft, der das staatliche deutsche Glücksspielmonopol erneut festgeschrieben hat, private Wettanbieter sind damit verboten. Nun geht es in Richtung EU-Gerichtsbarkeit.

Gute Nachrichten aus Brüssel

Aus Brüssel wiederum kamen die in letzter Zeit wohl besten Nachrichten für den österreichischen Anbieter, der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Sportwetten ist.

Durch die US-Regierung wurden bwin und andere Unternehmen aus Großbritannien per Gesetz bekanntlich vom amerikanischen Markt verdrängt, während US-Gambling-Unternehmen der europäische Markt weiter offensteht. Die EU sieht darin eine Verletzung der Regeln der Welthandelsorganisation [WTO] und leitet nun eine Untersuchung besagter US-Regulierungen ein.

Hoffen auf die WTO

Bei bwin ist man jedenfalls optimistisch, dass die Angelegenheit vor die WTO geht, wo schon einmal zugunsten der Europäer entschieden wurde.

Die USA mussten in der Folge Zugeständnisse machen, und bei bwin ist man guter Hoffnung, dass das auch dieses Mal der Fall sein wird.

"Wir sind zuversichtlich, dass sich dieser Markt in einem vernünftigen Zeitrahmen wieder öffnen wird", sagte bwin-Sprecher Kevin O'Neal zu ORF.at. Man begrüße dabei jede sinnvolle Regulierung und sei durchaus für strenge Kontrollen, zumal "ein sicheres Umfeld" Kerninteresse des Unternehmens sei.

Am Mittwoch werden die neuen Quartalszahlen von bwin erwartet, im letzten schrieb man noch fünf Millionen Euro Verlust.

Piraten der Karibik

Was Totalverbote betreffe, "so hatte die US-Prohibition in den 30er Jahren nicht den gewünschten Erfolg, im Gegenteil", sagte O'Neal. "Alle waren schlechter dran, und reich wurde dabei nur die Ganoven." So ähnlich spiele es sich derzeit auf dem Wettmarkt der Vereinigten Staaten ab.

Nachdem bwin und alle anderen börsennotierten Anbieter den US-Markt nach einer Gesetzesänderung aufgeben mussten, hatte ein Netzwerk von neuen Wett- und Poker-Piratenfimen aus der Karibik den verwaisten Online-Glücksspielmarkt in den USA übernommen. Mit denen schlägt sich nun die US-Finanzbehörde nicht eben erfolgreich herum.

(futurezone | Erich Moechel)