Schlag gegen die Karibik-Wettpiraten
Die US-Finanzbehörden sind dabei, ein Netzwerk von neuen Wett- und Poker-Piratenfimen zu zerschlagen, das den Online-Glückspielmarkt in den USA übernommen hat. Bwin und alle anderen börsennotierten Anbieter hatten den US-Markt zuvor nach einer Gesetzesänderung verlassen.
"Nicht am Radar" ...
Bis jetzt gebe es kein Problem, denn diesmal sei bwin "nicht am Radar" der amerikanischen Behörden, hieß es seitens des in Gibraltar ansässigen, österreichischen Online-Anbieters von Sportwetten und Glücksspielen auf Anfrage von ORF.at.
Auch dass etwa mit Dresdner Kleinwort eine Investmentbank ins Visier der US-Steuerfahnder geraten ist, die in der Vergangenheit für bwin Übernahmen abwickelte, beunruhigt den Anbieter nicht.
Bwin betreibe seit geraumer Zeit keine Geschäfte in den USA mehr, dort würden jetzt andere Firmen das Geschäft machen, nämlich solche, die nicht unter öffentlicher Aufsicht etwa einer Börse stünden.
... sagt bwin
Am Sonntag war aus Londoner Bankenkreisen bekannt geworden, dass die US-Regierung bereits vor drei Wochen "subpoenas" [Verfügungen] gegen insgesamt 16 internationale Finanzinstituten erlassen hat.
HSBC, Dresdner Kleinwort, Credit Suisse, Deutsche Bank und andere müssen ihren kompletten Finanz- und Schriftverkehr inklusive E-Mails und mitgeschnittener Telefonate mit Online-Glücksspielanbietern an die US-Finanzfahnder übergeben.
Der Crackdown
Der neue Schlag des US-Justizministeriums zielt laut Analysten ganz offensichtlich direkt auf Eigentümer, Topmanagement und Aufsichtsräte von Wett- und Glücksspielanbietern im Internet.
Zwar haben alle börsennotierten Online-Gambler den Wettbetrieb in den USA seit Oktober 2006 eingestellt, doch die US-Behörden seien offenbar entschlossen, die Jahre davor nicht ad acta zu legen, hieß es von mehreren Analysten.
Das Netz der Karibik-Piraten ...
Dafür spricht, dass in der vergangenen Woche die beiden Kanadier Stephen Lawrence und John Lefebvre verhaftet wurden, die Gründer des börsennotierten Gambling-Abrechnungsdienstes NETeller, mit Firmensitzen auf der Isle of Man und Costa Rica.
Beide sind zwar aus dem operativen Geschehen ausgeschieden - Lefebvre verabschiedete sich bereits 2002 - doch halten beide noch substanzielle Anteile an der Firma.
Und die spielte bis jetzt eine zentrale Rolle in der Online- und Glücksspielwelt. Nach dem offiziellen Aus im Oktober zogen sich nämlich nur die börsennotierten Anbieter vom US-Markt zurück. Die amerikanischen Poker-Communities lösten sich nicht auf, sondern wechselten zu Offshore-Unternehmen wie Bodog Entertainment, FullTiltPoker.com oder PokerStars.com.
... mit Mohawk-Lizenz
Alle Unternehmen sind mit einer vom "Mohawk Council of Kahnawake" - ein Reservat für die Mohawk-Ureinwohner mit angeschlossenem Glücksspielgeschäft - ausgestellten US-Glücksspiellizenz unterwegs.
Das Abrechnungssystem
NETeller wiederum stellte für die verbliebenen Pokerpiratenfirmen der Karibik die Abrechnungssysteme und wickelte bis zuletzt den Zahlungsverkehr dieser Firmen ab.
Wie aus Branchenkreisen zu erfahren war, hatte NETeller zusammen mit internationalen Banken einen finanztechnischen "workaround" gebaut. Man hoffte, damit die neuen US-Gesetze gegen Online-Glücksspiel zu umgehen und sah sich prompt getäuscht.
850 Mio. Dollar Umsatz
Warum NETeller bis zuletzt im immer gefährlicher werdenden US-Geschäft verblieben ist, erklärt ein Blick auf die Umsätze. Im ersten Halbjahr 2006 waren knapp 850 Millionen Dollar mit Finanztransaktionen von Wett- und Glücksspielanbietern erzielt worden. Nach Informationen aus der Branche stammen mehr als zwei Drittel dieser Umsätze aus den USA.
Was die Börse sagt
Die Wiener Börse jedenfalls schloss sich wenigstens am Montag der Meinung an, dass der Schlag gegen andere als bwin geführt wird. Die Aktie schloss mit einem Minus von gerade 0,33 Prozent, die britische Konkurrenz erwischte es schon härter.
Das Papier von Weltmarktführer PartyGaming verlor fast 10 Prozent seines Werts, Rivale Sportingbet stand dem mit 8,7 Prozent Verlust kaum nach. Was bwin angeht, so blieb die Frage, ob Aufsichtsratschef Hannes Androsch in der nächsten Zeit Reisen in die USA plane, unbeantwortet.
(futurezone | Erich Moechel)
