Anbruch des "asiatischen IT-Jahrhunderts"
Der chinesische Premierminister Wen Jiabao hat bei seinem Staatsbesuch in Indien gestern aufhorchen lassen.
Wen bot dem alten Rivalen um die Vorherrschaft in Asien nicht nur Zusammenarbeit im Technologie-Bereich an, sondern gab auch deutlich zu verstehen, dass seitens Chinas mehr als nur etwas Kooperation, nämlich eine künftige Allianz gemeint sei.
Bei einer Rede in Bangalore, dem Technologiezentrum Indiens, gab Chinas Premierminister Wen Jiabao seiner Überzeugung Ausdruck, dass beide Länder zusammen neue Maßstäbe für die weltweite IT-Branche setzen könnten. Wenn dieser Tag anbreche, werde das den Beginn des "asiatischen Jahrhunderts der IT-Industrie" markieren, sagte Wen.
Dieses Jahrhundert würde von China und Indien gemeinsam angeführt, sagte der Premier, und verwies auf die starken Positionen beider Länder, die sich technologisch ergänzten.
Beide Länder werden heute 30 bilaterale Verträge unterzeichnen.
Tasächlich ist China nicht erst nach dem Kauf der PC.Sparte von IBM durch Lenovo unaufhaltsam auf dem Weg zur Weltmarktführerschaft unter den PC-Produzenten. Indien wiederum verfügt mittlerweile über eine mächtige Software-Industrie und schier unerschöpfliche Ressourcen an Nachwuchs-Programmierern.
Lenovo darf IBMs PC-Sparte übernehmenFreihandel für zwei Milliarden Menschen
Bei so viel gegenseitiger Ergänzung solle man kooperieren statt zu rivalisieren, sagte Wen, lud indische Software-Firmen nach China ein und sprach sich für eine Freihandelszone zwischen beiden Staaten aus. Mit zwei Milliarden Einwohnern würde das die größte Freihandelszone der Welt darstellen.
Diese Worte des Premiers fielen bezeichnenderweise im Raumfahrtszentrum der Atommacht Indien, wo der erste Raumflug eines indischen Astronauten vorbereitet wird. China hatte 2004 den ersten Asiaten ins All geschossen.
China beteuert zwar, seine Raumfahrttechnologie "nur für die friedliche Nutzbarmachung des Weltalls" zu entwickeln. Das chinesische Raumschiff "Shenzhou" [Magisches Schiff] soll schon bei allen bisherigen Flügen Aufklärungssysteme an Bord gehabt haben. Dazu würde die Entwicklung von Anti-Satelliten-Waffen und Spionage-Satelliten vorangetrieben, weiß das stets gut informierte Fachmagazin "Jane's Defense Weekly".
Satellitenkrieg im All30 Verträge gegen die Eiszeit
Dieses Angebot für Zusammenarbeit ist vor dem Hintergrund jahrzehntelanger Eiszeit zwischen den beiden Riesen zu sehen. China hat bis jetzt Indiens Gegner Pakistan mit Waffen und Militärtechnologie unterstützt. Dazu kommen rund 1.000 Kilometer Grenzbereich zwischen Indien und China, in denen der genaue Grenzverlauf umstritten ist.
Beim Zusammentreffen Wens mit Indiens Premier Manmohan Singh am Montag sollen insgesamt 30 Verträge zwischen den beiden Atommächten abgeschlossen werden.
2004 belief sich der Handel zwischen Indien und China auf 13.6 Milliarden US-Dollar, die Handelsbilanz zeigt für Indien einen deutlichen Überschuss.
