USA und China rüsten für Sci-Fi-Krieg
China will den Himmel nicht den anderen Großmächten überlassen. Neben dem politischen und wissenschaftlichen Nutzen dient der Einstieg in die bemannte Raumfahrt an diesem Mittwoch auch militärischen Zwecken.
Zwar beteuert die Regierung, China entwickle seine Raumfahrttechnologie "nur für die friedliche Nutzbarmachung des Weltalls", doch berichten westliche Experten, dass das chinesische Raumschiff "Shenzhou" [Magisches Schiff] schon bei den vier bisherigen Flügen Aufklärungssysteme an Bord gehabt habe.
China studiere ferner die Technologie von Anti-Satelliten-Waffen und betreibe "energisch" die Entwicklung von Spionagesatelliten, sagte der Verteidigungsexperte Robert Karniol des Fachmagazins "Jane's Defense Weekly".
Nach dem für diesen Mittwoch geplanten Start des ersten chinesischen Raumschiffs mit Besatzung hat China weitere Pläne fürs Weltall: Das Land will binnen drei Jahren einen Satelliten zur Erforschung des Mondes entwickeln.
China will Satelliten zum Mond schickenUSA legen Szenario vor
In einer Simulation eines Weltraumkrieges durch das US-Verteidigungsministerium, die vor zwei Jahren für Irritationen zwischen Peking und Washington gesorgt hatte, wurde die Zukunft im All für das Jahr 2017 vorweggenommen.
Das Land "Braun" wurde von einem mächtigen asiatischen Nachbarn "Rot" angegriffen, sodass "Blau" - die USA - zu Hilfe kommen musste. Der "Krieg" entwickelte sich mit Laserangriffen aus dem All, bemannten Raumschiffen, Satellitenwaffen, Raketenabwehr und "Cyber-Attacken".
Dass mit dem Angreifer "Rot" offensichtlich die kommunistische Volksrepublik und mit "Braun" Taiwan gemeint war, ließ sich schwer verbergen.
Chinas Militärs sprechen offen über die Notwendigkeit, im Weltall vertreten zu sein - "sonst wird man von anderen herumgeschubst", zitierte die "Volkszeitung" einen Strategen.
Die Vorstellung, dass andere Mächte aus dem All alles sehen können, was in China vorgeht, irritiert auch Huang Chunping, Raketenchef und Vizekommandeur des Startzentrums Jiuquan. "Deswegen müssen wir auch Raumfahrttechnologie entwickeln", zitiert ihn in das Parteiorgan.
Sat-Navigation: EU und China kooperieren im AllSat-Aufklärung
"Shenzhou" hat nach Angaben des Raumfahrtexperten Mark Wade zuvor schon Aufklärungssysteme transportiert. Der Orbiter, der nach dem Raumflug bis zu acht Monate funktionsfähig wie ein Satellit die Erde umkreist, habe an seiner Nase elektronische Abhör- und Kameraanlagen montiert gehabt.
Der Autor der "Enyclopedia Astronautica" schreibt in dem Internet-Portal spacedaily.com von einem "enormen Sprung in der militärischen Beobachtung aus dem All für China". Das sei auch "Hauptzweck des ersten bemannten Raumflugs Chinas", meint Wade.
"Jedes Hochtechnologieprojekt in China hat automatisch auch eine militärische Verwicklung", sagte der britische Raumfahrtexperte Phillip Clark. "Es ist schwer zu sagen, was rein militärische oder rein zivile Projekte sind."
Das Raumfahrtprogramm werde schon unter dem Dach der Militärs betrieben. Doch beteuerte die Sprecherin des Außenministeriums, Zhang Qiyue, China "wird sich niemals an einem Wettrüsten im All in irgendeiner Form beteiligen". Die Hinweise auf militärische Absichten kritisiert die Tageszeitung "China Daily" als "Neuentwicklung" der Theorie, dass China eine Bedrohung darstelle: "Wann immer China wirtschaftliche oder technologische Fortschritte erzielt, heckt eine Hand voll Länder eine Reihe von Irreführungen aus."
