02.03.2005

ZUKUNFTSVISION

Der Mac mini als "iPod des Videos"

Als Apple-Chef Steve Jobs den Mac mini Anfang des Jahres vorstellte, war das Echo enorm.

Personen, die an einen Umstieg denken, hätten nun keine Entschuldigung mehr, so Jobs damals, das sei der günstigste Mac-Rechner überhaupt.

Apple will mit seinen Rechnern erklärtermaßen an den Erfolg seines Festplatten-Players iPod anschließen. Der iPod verkauft sich aber nicht nur selbst wie warme Semmeln, er verhalf auch Apples Musikstore iTunes zu einem ungeahnten Höhenflug. Apple verkaufte bis jetzt mehr als 250 Mio. Songs online.

Konsequenterweise könnte sich der Kleinrechner bei Videos als Äquivalent des iPod positionieren und so den Markt für digitale Video-Downloads eröffnen - und Apple wäre an vorderster Front mit dabei. Das Design stimmt bereits, mit iTunes gibt es auch die passende Software dazu.

Passende Optik fürs Wohnzimmer

Bei näherer Betrachtung präsentiert sich der Mac mini als harmloses Arbeitsgerät, aber ebenso schick wie der iPod und extrem handlich. So schmerzt es auch das optische Empfinden, sobald neben der Stromversorgung das Monitorkabel an der Box angeschlossen wird.

Bluetooth und Airport sind daher ein augenfälliges Muss, treiben aber die Kosten für den Rechner in die Höhe. Der laufende Betrieb geht annähernd lautlos vonstatten, nur wenn eine CD eingelegt wird, summt es kurzzeitig im Gehäuse.

Klein und optisch ansprechend, lautlos im Betrieb - perfekte Voraussetzungen für den Betrieb als Media-Rechner, wenn da nicht die geringe Festplattengröße wäre. In der Basiskonfiguration kommt der Mac mini mit einer 40 bzw. 80 GB großen Festplatte, vermeintlich wenig Speicherplatz für Videosammler. Auch fehlt der TV-Tuner in der Basisversion.

Jobs setzt auf hoch auflösende Videos

Will Apple den iPod-Erfolg wiederholen, muss Jobs Hardware und passenden proprietären Content verkaufen. Bei der Mac World pochte Jobs darauf, dass 2005 das Jahr von hoch auflösendem Fernsehen [High Definition, HD] werden soll, iMove 5 ist für HD bereits gerüstet.

Entsprechend kann davon ausgegangen werden, dass Apple Videos in HD-Qualität liefern würde und damit das US-Kabelmonopol elegant umgeht, gleichzeitig kann Apple sein DRM-System positionieren.

Der DVI-Anschluss am Mac mini findet sich auch bei HD-Fernsehern wieder, unter anderem jenen von Sony. Sony-Chef Kunitake Ando war ebenfalls auf der Mac Expo anwesend, wahrscheinlich weil iMovie HD-Videos vom neuen Sony HD-Camcorder importieren kann und Apple die Camcorder neuerdings in seinen Shops anbietet.

Der Betamax-VHS-Effekt

Der sich abzeichnende Streit der nächsten DVD-Generation Blu-Ray und HD-DVD um die Vorherrschaft könnte Apple ebenfalls nützen. Der Video-Codec AVC H.264, der mit OS X 10.4 kommt, wird von beiden Systemen genutzt, bis sich eines aber als Standard durchsetzt, könnten Jahre vergehen.

Auch der fehlende TV-Tuner ist verschmerzbar - der Content wird online heruntergeladen. Wo sich ein HD-Fernseher findet, ist meist auch Breitband nicht weit. Solange der Download nicht länger dauert als der Weg zur Videothek, die noch auf Jahre keine hoch auflösenden DVDs anbieten könnte, liegt der Vorteil bei Apple.

Bleibt noch das Problem mit der Festplatte. Bezahlmodelle wie günstigere Preise für einmaliges Ansehen eines Filmes würden das Speicherproblem lösen, optional wären auch Streams eine Möglichkeit. Und schlimmstenfalls kann man auch noch eine zweite Festplatte aufstellen.

Ob und wie sich sich der Mac mini positioniert, werden vorerst einmal die kommenden Monate zeigen. Ein Großteil der Rechner dürfte zu Beginn allein auf Grund der Optik verkauft werden, im Anschluss wird sich zeigen, welche Zukunftsvision der Mac mini erfüllen kann und was Apple wirklich damit vorhat.