25.01.2005

HV

Infineon-Management unter Beschuss

Aktionärsvertreter haben dem Infineon-Management auf der Hauptversammlung die schwache Rendite des Chipkonzerns, mangelnde Transparenz und strategische Versäumnisse vorgeworfen.

"Die Geduld der Aktionäre ist endlich", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz am Dienstag vor gut 3.000 Infineon-Aktionären in München. "Ich habe von außen das Gefühl, dass man in diesem Unternehmen der Marktentwicklung immer hinterher hinkt."

Bergdolt hielt dem Management zugleich den Kursverfall der Infineon-Aktie vor. "Da wurden erhebliche Werte innerhalb des Unternehmens seit dem Börsengang vernichtet", sagte sie mit Verweis auf den Ausgabepreis der Aktie von 35 Euro.

Dienstagmittag notierte das Papier mit 6,88 Euro um 1,7 Prozent im Minus. Am Vortag war der Kurs erstmals seit Mai 2003 wieder unter die Marke von sieben Euro gerutscht.

Infineon-Chef bittet um Geduld

Der seit September amtierende neue Infineon-Chef Wolfgang Ziebart bat die Anteilseigner um Geduld bei der Sanierung der unprofitablen Sparten.

Nach dem gescheiterten Komplettverkauf seines verlustreichen Glasfaserbereichs macht Infineon nun drei Standorte dicht. Der Glasfaser-Entwicklungsstandort Berlin mit rund 280 Beschäftigten werde komplett geschlossen, so Ziebart.

Zudem sind kleinere Standorte in München und Longmont [USA] betroffen. Die Aktionäre bereitete Ziebart auf harte Zeiten vor. "2005 wird ein schwieriges Jahr für die Halbleiterindustrie."

Insgesamt sind weltweit etwa 350 Mitarbeiter von den Schließungen im Glasfaserbereich betroffen. Betriebsbedingte Kündigungen schloss der Konzern nicht aus. Ein weiterer Stellenabbau in der Sparte mit bisher insgesamt 1.200 Beschäftigten gilt in Unternehmenskreisen zudem als wahrscheinlich.

Teilverkauf des Glasfasergeschäft

Ein kleiner Teil des defizitären Glasfaserbereichs wird zwar nun doch an das US-Unternehmen Finisar verkauft. Allerdings übernehmen die Amerikaner nur das Know-how und die Lagerbestände in dem Teilbereich Glasfaser-Transceiver, berichtete Ziebart. Die Fabriken und alle Beschäftigten bleiben bei Infineon.

Ursprünglich wollte Finisar für Aktien im Wert von gut 200 Millionen Dollar die gesamte Sparte mit ihren 1.200 Mitarbeitern übernehmen. Das Geschäft platzte aber überraschend. Nun muss Infineon den Bereich selbst sanieren. Für den Transceiver-Bereich zahlt Finisar knapp 50 Millionen Dollar.