Europas Sat-Navigation nimmt Gestalt an
Das europäischen Satelliten-Navigationsystem Galileo näherte sich der entscheidenden Phase.
Am Dienstag legen die Konsortien, die sich um den Aufbau der europäischen Konkurrenz zum US-System GPS beworben haben, ihre endgültigen Angebote in Brüssel auf den Tisch.
Wer letztlich den Zuschlag für den lukrativen Auftrag bekommen wird, soll bis zum 1. März entschieden werden.
EADS darf Namen Galileo nicht mehr führen
Das Oberlandesgericht München hat zu Jahresbeginn EADS Astrium in
zweiter Instanz die Verwendung der Bezeichnung "Galileo" verboten.
Geklagt hatte "eine IT-Firma aus Barbados, die auch Galileo im Namen
trägt und sich verschiedene Rechte gesichert hatte".
Galileo darf nicht Galileo heißen30 Satelliten in 24.000 Kilometer Höhe
In die Endrunde haben es zwei Konsortien geschafft: "Eurely" um die Unternehmen Alcatel aus Frankreich und Finmeccania aus Italien sowie "iNavSat" mit dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und dem französischen Thales-Konzern.
Nach gut einer Milliarde Euro für die Vorlaufphase, die allein aus öffentlichen Kassen aufgebracht wurde, werden für die Errichtung des Systems nochmals 2,1 Milliarden Euro Kosten veranschlagt.
Die öffentliche Hand wird davon nur ein Drittel zuschießen, die privaten Unternehmen müssen deshalb noch 1,4 Milliarden Euro vorfinanzieren.
Mit diesem Geld sollen die insgesamt 30 Galileo-Satelliten knapp 24.000 Kilometer über Erde ausgesetzt und die Technik am Boden bezahlt werden. Hinzu kommen schätzungsweise noch einmal rund 220 Millionen Euro jährliche Betriebskosten.
Das im Bieterverfahren erfolgreiche Unternehmen darf mit Galileo für zunächst 20 Jahre lang Geld verdienen.
Absprachen mit den USA sollen garantieren, dass GPS und Galileo kompatibel sind. Davon verspricht sich die EU-Kommission unter anderem die einfachere und damit billigere Herstellung von Navigationsgeräten.
USA beanspruchen Kontrolle über GalileoOpen Service für Massenmarkt
Wer Galileo ab 2008 betreiben will, muss eine ganze Liste festgelegter Dienste bereitstellen können. Von dem ausdrücklich für zivile Zwecke entwickelten System wird ein Open Service für Anwendungen auf Massenmärkten erwartet.
Dazu gehört die Übermittlung kostenloser Signale zur Zeitsteuerung und zur Positionsbestimmung, die genauer sein sollen als die Berechnung des eigenen Standorts mithilfe des GPS-Systems.
Für sicherheitskritische Anwendungen wie etwa im Verkehrssektor wird Galileo den "Safety-of-Life Service" [SoL] anbieten, der im Prinzip zwar nicht genauer als der offene Dienst ist, dessen Genauigkeit aber durch technischen Mehraufwand garantiert ist.
