"Steckdosen-Internet" in Bedrängnis
Auch der zweite Bescheid des Fernmeldebüros Oberösterreich, die Störungen durch die Powerline-Technologie [PLC] zu beseitigen, kann die Linz AG nicht irritieren.
"Ich gehe davon aus, dass die zweite Instanz anders entscheiden wird", sagte Josef Heizinger, Vorstandsdirektor der Linz AG, deren Tochter Linzstrom das Powerline-Netz [alias "Speedweb"] in Linz betreibt.
Das Verfahren - nämlich die Messungen durch das Fernmeldebüro - sei mangelhaft gewesen, so Heizinger, denn von Powerline-Modems gingen keinesfalls mehr elektromagnetische Störungen aus als etwa von einem ADSL-Modem. Das könne man jederzeit demonstrieren, ebenso wie den Beweis, dass Abstrahlungen durch die Powerline-Technologie unter den verordneten Grenzwerten lägen.
Die Kernaussagen des Bescheids, der auf einem Gutachten des Amtssachverständigen beruht, sind dem diametral entgegengesetzt. Die gemeldeten Störungen seien zweifelsfrei auf PLC zurückzuführen heißt es da, denn Linz Strom benutze ungeschirmte Leitungen, sodass der Datentransport nur unter Inkaufnahme von "wesentlichen Abstrahlungen" erfolgen könne.
Bereits im April 2004 wurden in Anwesenheit von sieben Technikern und Juristen des Verkehrsministeriums in der Linzer Galvanistraße Messungen durchgeführt. Sobald ein Download über das Speedweb-Modem gestartet wurde, seien alle Frequenzen von zwei bis 22 MHz - also fast das gesamte Kurzwellenspektrum - vollständig blockiert gewesen, hieß es im Protokoll.
Die Messungen in Linz - mit Diagramm"Entspricht nicht Stand der Technik"
Das Aufbringen hochfrequenter elektromagnetischer Wellen auf eine ungeschirmte Leitung mit Leistungen, wie sie für PLC erfoderlich seien, entspreche nicht dem Stand der Technik, heißt es im Bescheid der ersten Instanz.
In zweiter Instanz entscheidet nun die oberste Fernmeldebehörde im Verkehrsministerium, ein weiterer ebenso negativer Bescheid hat letztlich zur Folge, dass Linzstrom eines der letzten in Europa noch übrigen Powerline-Projekte einstellen muss.
Vorstandsdirektor Heizinger betont, dass dies erstens nicht passieren werde und zweitens für die PLC-Kunden jedenfalls "Rechtssicherheit" gegeben sei, wie sich Linzstrom überhaupt "auf dem Boden der Rechtmäßigkeit" bewege.
Auch was die Sicherheit der bereits investierten fünf Millionen Euro angehe, zeigt sich Heizinger optimistisch. In die PLC-Endgeräte sei weniger als eine Million Euro investiert worden, 80 Prozent davon habe man nämlich in Backbone-Infrastruktur insgesamt investiert.
Auch die für das Gesamtprojekt weiter budgetierten 11,4 Millionen Euro würden nicht auf einmal fällig, sondern verteilten sich auf die kommenden vier, fünf Jahre.
Das PLC-Projekt der Linz AGDer "New Scientist" räumt den von Powerline-Technologie verursachten Funkstörungen in seiner neuesten Ausgabe einen Schwerpunkt ein.
New ScientistMärz 2004 - Ausstieg in Mannheim
Im März 2004 schrieb der Mannheimer Stromversorger MVV 31
Millionen Euro auf sein defizitäres Projekt Powerline ab, stoppte
die Investitionen in das "Internet aus der Steckdose" und gliederte
die "Randaktivitäten" aus.
MVV schreibt Powerline ab
