Microsofts einsamer Kampf gegen Spam
Angesichts der jüngsten Entwicklung rückt eine gemeinsame Branchenlösung im Kampf gegen Spam in immer weitere Ferne.
Nachdem zu Beginn alles darauf hingedeutet hatte, dass Microsoft breite Unterstützung für seine Absender-Authentifizierung Sender ID erhält, wenden sich nun immer mehr ehemalige Unterstützer ab.
Zuletzt gab AOL bekannt, Sender ID nicht einsetzen zu wollen, nachdem bereits die Internet Engineering Taskforce [IETF] auf Grund möglicher Patentansprüche Seitens MS die Technologie nicht zum Standard erhob. Als Grund der Ablehnung nannte AOL die mangelnde Unterstützung von Sender ID durch die Open-Source-Community.
Damit zeichnen sich nun de facto Insellösungen ab, denn die einzelnen Anbieter wollen nun auf ihre eigenen Entwicklungen setzen.
Als Erstes hatte die Apache Foundation Bedenken gegen Microsoft mögliche Lizenzansprüche auf Sender ID geäußert und ihre Unterstützung zurückgezogen.
"Sender ID" wird nicht zum StandardSender ID ist eine Kombination aus Microsofts ursprünglicher Entwicklung Caller ID und dem Sender Policy Framework [SPF], die als Sender ID der IETF zur Standardisierung vorgelegt wurden.
MS kooperiert bei Spam-BekämpfungVerschiedene Technologien
So wird Microsoft Sender ID ab 1. Oktober auf Hotmail einsetzen, während AOL für die Überprüfung eingehender E-Mails weiter auf SPF setzt und zusätzliche Technologien wie Yahoos "Domainkeys" testen will.
Bei "Domainkeys" unterschreibt der Mailserver jede ausgehende Mail mit seinem privaten Schlüssel nach dem PKI-Verfahren [Public Key Infrastructure], der vom empfangenden Server anschließend auf Richtigkeit überprüft wird. Für ausgehende Mails will AOL sowohl SPF als auch Domainkeys verwenden.
Erst im Juni legte Microsoft zusammen mit AOL, Yahoo und anderen Mitgliedern der gemeinsamen "Anti-Spam Technical Alliance" [ASTA] Vorschläge zur Abhilfe gegen Spam-Mails vor, unter anderem auch technischer Natur.
Dabei wurde allerdings nicht darauf eingegangen, ob Microsofts [damals noch] Caller ID, Yahoos Domainkeys oder das von AOL bereits getestete SPF zum Einsatz kommen soll.
Neue Vorschläge gegen Spam-MailsKostenfaktor Spam
Spam stellt auch für Microsoft ein großes Problem dar. Laut eigenen Angaben sind 76 Prozent aller Mails, die bei den Usern des Freemail-Dienstes Hotmail ankommen, Werbemüll, der Speicherplatz und Bandbreite verbraucht.
Anfang des Jahres kündigte MS-Gründer Bill Gates daher an, dass Spam bis zum Jahr 2006 der Vergangenheit angehören soll. Beim Wirtschaftsgipfel in Davos pries Gates als beste Lösung noch eine Art Risikoeinschätzung für E-Mail-Empfänger an.
Dabei sollte der User nach eigenem Ermessen das Risiko für E-Mails von Fremden in Geld angeben. Erhält er eine Spam-Mail, soll der Absender die vorher gewählte Summe zahlen müssen. Mails von Verwandten und Freunden wären demnach gebührenfrei.
Die Idee fand allerdings kaum Anhänger. Kritiker sahen darin die Offenheit des Internets und seinen demokratischen Charakter bedroht und darüber hinaus auch die drohende Ausweitung des "digitalen Grabens" zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.
Kritik an Idee von kostenpflichtigen Mails
