Linux befreit aus Microsofts Dominanz
Immer mehr Regierungen und Stadverwaltungen stellen ihren Computerbetrieb von Microsofts Windows auf das freie Betriebssystem Linux um.
Brasilien setzt etwa bei der öffentlichen Verwaltung auf Linux, der Chef des nationalen IT-Institutes ITI, Sergio Amadeu, will zudem alle Regierungsstellen ermutigen, auf Linux umzusteigen.
Auch wenn der Umstieg für viele Beamte, die bisher nur mit Windows gearbeitet haben, einem Sprung ins kalte Wasser gleichkommt, bleibt Amadeu optimistisch.
Er wolle erreichen, dass Brasilien zu einem technologiebegeisterten Land wird, wo jedermann, vom Schüler bis zum Beamten, Open Source statt Windows verwendet, so Amadeu.
Freie Wahl in Wien
Nun folgt bekanntlich auch Wien diesem Beispiel und wird,
zumindest teilweise, Linux auf den Magistrats-Arbeitsplätzen Einzug
halten lassen. Ab dem 2. Quartal 2005 können die Mitarbeiter [bzw.
deren Abteilungsleiter] für rund 7.500 der 16.000
Computerarbeitsplätze entscheiden, ob sie lieber das Betriebssystem
und die Office-Software von Microsoft nutzen oder mit freier
Software arbeiten wollen.
Weg frei für Linux in WienNicht nur wirtschaftliche Gründe
Die Gründe für den vermehrten Wechsel sind nicht nur wirtschaftlich: Zwar sind für Open-Source-Produkte keine jährlichen Lizenzgebühren fällig, für viele Regierungen ist jedoch Microsoft selbst das Problem.
Das Unternehmen weckt bei vielen Skepsis, die sich von dem Monopolisten auf dem Markt in die Mangel genommen fühlen.
Ein weiterer Grund ist die Möglichkeit, den Quellcode nach eigenen Bedürfnissen zu ändern. Durch den offenen Zugang werden auch Sicherheitslücken, die Würmern und Viren Zutritt verschaffen könnten, meist schnell erkannt und ausgebessert.
Viele Open-Source-Unterstützer haben auch soziale Ziele: Software, die sehr billig oder gratis ist, ermöglicht es vielen Privatpersonen und Institutionen, sich Computer und einen Internet-Zugang zuzulegen.
Norwegen zieht nach
Auch Bergen, die zweitgrößte Stadt Norwegens, zieht mit ihrem
Bildungssystem und Datenbanken von proprietären Unix- und
Windows-Servern auf Suse Linux Enterprise Server 8 von Novell um.
Die Umstellung erfolgt in zwei Stufen und soll bis Ende 2004
abgeschlossen sein.
Regierungen setzen vermehrt auf LinuxMicrosoft Brasilien beschwert sich
Microsoft selbst steht dieser Entwicklung erwartungsgemäß kritisch gegenüber, schließlich entgehen dem Softwarehersteller vor allem mit Brasilien und China rund 1,5 Milliarden potenzielle Konsumenten und zwei der am schnellsten wachsenden Märkte der Welt.
Offiziell gibt Lorenzo Madrid, Sprecher von Microsoft Brasilien, an, dass die brasilianische Regierung nur etwa sechs Prozent der Umsätze ausmacht und es viel wichtigere Kunden in der Finanzindustrie gebe.
Laut einer neuen Studie kehren jedoch immer mehr wichtige brasilianische Unternehmen wie etwa die Fluglinie Varig, Ölgigant Petrobas und bereits 42 Prozent der Banken Microsoft den Rücken zu.
Kritik von MS Brasilien
Emilio Umeoka, Chef von Microsoft Brasilien, kritisierte
Brasiliens Entscheidung. Wenn sich das Land wieder verschließe, sei
man in zehn Jahren in etwas Unbedeutendem führend. "Mein Chef sagte
einmal: Irrelevanz ist der Anfang vom Ende", so Umeoka.
MS kritisiert Brasiliens Linux-EntscheidCharme-Offensive
Microsoft schlägt unterdessen verschiedene Wege ein, um den Umstieg auf Open Source zu kontern: In asiatischen Ländern wurde etwa der Preis für Windows XP um bis zu 80 Prozent gesenkt.
Und in Brasilien verhandelt man mit Regierungsbeamten darüber, möglicherweise den Windows-Quellcode offen zu legen.
Auch in China hat Microsoft bereits auf diesem Weg versucht, wieder Fuß zu fassen.
