10.08.2004

UMSTEIGER

Linux befreit aus Microsofts Dominanz

Immer mehr Regierungen und Stadverwaltungen stellen ihren Computerbetrieb von Microsofts Windows auf das freie Betriebssystem Linux um.

Brasilien setzt etwa bei der öffentlichen Verwaltung auf Linux, der Chef des nationalen IT-Institutes ITI, Sergio Amadeu, will zudem alle Regierungsstellen ermutigen, auf Linux umzusteigen.

Auch wenn der Umstieg für viele Beamte, die bisher nur mit Windows gearbeitet haben, einem Sprung ins kalte Wasser gleichkommt, bleibt Amadeu optimistisch.

Er wolle erreichen, dass Brasilien zu einem technologiebegeisterten Land wird, wo jedermann, vom Schüler bis zum Beamten, Open Source statt Windows verwendet, so Amadeu.

Nicht nur wirtschaftliche Gründe

Die Gründe für den vermehrten Wechsel sind nicht nur wirtschaftlich: Zwar sind für Open-Source-Produkte keine jährlichen Lizenzgebühren fällig, für viele Regierungen ist jedoch Microsoft selbst das Problem.

Das Unternehmen weckt bei vielen Skepsis, die sich von dem Monopolisten auf dem Markt in die Mangel genommen fühlen.

Ein weiterer Grund ist die Möglichkeit, den Quellcode nach eigenen Bedürfnissen zu ändern. Durch den offenen Zugang werden auch Sicherheitslücken, die Würmern und Viren Zutritt verschaffen könnten, meist schnell erkannt und ausgebessert.

Viele Open-Source-Unterstützer haben auch soziale Ziele: Software, die sehr billig oder gratis ist, ermöglicht es vielen Privatpersonen und Institutionen, sich Computer und einen Internet-Zugang zuzulegen.

Microsoft Brasilien beschwert sich

Microsoft selbst steht dieser Entwicklung erwartungsgemäß kritisch gegenüber, schließlich entgehen dem Softwarehersteller vor allem mit Brasilien und China rund 1,5 Milliarden potenzielle Konsumenten und zwei der am schnellsten wachsenden Märkte der Welt.

Offiziell gibt Lorenzo Madrid, Sprecher von Microsoft Brasilien, an, dass die brasilianische Regierung nur etwa sechs Prozent der Umsätze ausmacht und es viel wichtigere Kunden in der Finanzindustrie gebe.

Laut einer neuen Studie kehren jedoch immer mehr wichtige brasilianische Unternehmen wie etwa die Fluglinie Varig, Ölgigant Petrobas und bereits 42 Prozent der Banken Microsoft den Rücken zu.

Charme-Offensive

Microsoft schlägt unterdessen verschiedene Wege ein, um den Umstieg auf Open Source zu kontern: In asiatischen Ländern wurde etwa der Preis für Windows XP um bis zu 80 Prozent gesenkt.

Und in Brasilien verhandelt man mit Regierungsbeamten darüber, möglicherweise den Windows-Quellcode offen zu legen.

Auch in China hat Microsoft bereits auf diesem Weg versucht, wieder Fuß zu fassen.