RealNetworks knackt iPod-Technologie
RealNetworks will ab dieser Woche eine Software anbieten, die der Inkompabilität zwischen den Musik-Playern und den Download-Services verschiedener Anbieter ein Ende setzen soll.
Die neue Software "Harmony" sei das weltweit erste Produkt, das Copyright-Systeme [DRM] übersetzen könne, teilte das Multimedia-Unternehmen mit. Dadurch werde der Transfer von online erworbener Musik auf nahezu jedes mobile Abspielgerät ermöglicht, hieß es.
Im Gegensatz zu den anderen Herstellern hat Apple bisher eine Lizenzierung seiner iPod-Technologie verweigert, um so seine Marktführerschaft bei mobilen Musik-Playern und Online-Musik zu verteidigen.
Real ist nun offenbar des Wartens auf Apple müde und hat die iPod-Technologie "nachgebaut". Das wirft jedoch rechtliche Fragen auf.
Keine Kooperation
Im April hatte Real-CEO Rob Glaser Apple-Chef Steve Jobs in einer
E-Mail eine taktische Zusammenarbeit angeboten, die sich vor allem
gegen Microsoft richten sollte. Dabei ging es um die Lizenzierung
der iPod-Software.
Real will Kooperation mit Apple erzwingenKompabilität als Schlüssel
"Kompatibilität ist der Schlüssel, um digitale Musik den Massen zu öffnen", sagte Glaser zur neuen Harmony-Software. Vor Harmony war digitale Musik an eine bestimmte Hardware gebunden, eine Situation, die am CD-Markt unvorstellbar wäre.
Mit Harmony will Real seine Musik auf allen Playern abspielbar machen und hofft so, Marktanteile für den Online-Service Rhapsody zu gewinnen.
Im Fall von Apple setzt Real auf so genanntes "Reverse Engineering", den Nachbau einer patentierten Technologie. Real versichert, dass durch Harmony die Lizenzrechte von Apple nicht angetastet werden. Die Software imitiert lediglich die Apple-Software Fairplay.
Musik-Player boomen
Allein 2004 sollen insgesamt 10,8 Millionen digitale Musik-Player
verkauft werden, das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Während
der Markt wächst, wird die Inkompabilität aber zu einem immer
größeren Problem.
Der Boom der digitalen Musik-PlayerRechtliche Grauzone
Real betritt hier allerdings eine rechtliche Grauzone, die noch nicht zur Gänze ausjudiziert ist. Apple hat bisher nicht auf die Ankündigung von Real reagiert. Das Unternehmen könnte jedoch seine Marktführung aggressiv mit einer Klage wegen Patentverletzung verteidigen.
Apple agiert am Markt für Online-Musik und digitale Musik-Player wie ein Monopolist, meint der Analyst Josh Bernoff.
Real habe sich durch Harmony einen vorübergehenden Vorteil für Rhapsody verschafft, das einen sehr kleinen Marktanteil hat.
Microsoft arbeite zurzeit aber an einem eigenen Online-Musikservice. Auch Microsoft werde einen Weg finden, digitale Musik für den iPod anzubieten, so Bernoff. Dann werde Microsoft bald die Nummer zwei hinter Apple in Sachen Online-Musik sein.
