03.07.2004

ÜBERWACHUNG

China will Kontrolle über SMS-Inhalte

Um die private Kommunikation noch stärker zu kontrollieren, will die chinesische Regierung eine neue Technologie zur Überwachung von SMS einführen.

Wie die offizielle Presseagentur Xinhua berichtet, ist die Kampgane vor allem gegen "pornografische, verbrecherische und unzüchtige" Messages gerichtet, die den "Short-Messaging-Content infiltrieren".

Laut den "Reportern ohne Grenzen" will China mit der Überwachung von SMS auch verstärkt gegen politischen Widerstand vorgehen.

Peking kontrolliert bereits E-Mails, zensuriert Chatrooms und blockiert den Zugang zu ausländischen Websites mit "subversiven" Inhalten. Die Regierung bemüht sich nun bereits seit einiger Zeit, Wege zu finden, um auch den SMS-Verkehr zu kontrollieren.

"Selbstdisziplin" für Mobilfunkbetreiber

Die "Reporter ohne Grenzen" haben nun ein Protestschreiben verfasst, weil das chinesische Unternehmen Venus Info Tech kürzlich vom Ministerium für Öffentliche Sicherheit authorisiert wurde, ein "Echtzeit-Überwachungssystem" für SMS zu verkaufen.

Die Technologie verwendet zum Filtern Algorithmen, die Schlüsselworte und bestimmte Wortkombinationen identifizieren, die mit politischen Gerüchten oder reaktionären Aussagen in Verbindung gebracht werden können. Das System kann automatisch die Polizei alarmieren und die verdächtigen Nachrichten aufzeichnen.

Laut Xinhua wird von den Mobilfunkbetreibern und Internet Service Providern erwartet, dass sie sich auf Basis von "Selbstdisziplin" an dem Projekt beteiligen.

220 Milliarden SMS im letzten Jahr

Laut offiziellen Angaben haben Chinas 260 Millionen Handy-Nutzer im letzten Jahr rund 220 Milliarden SMS verschickt.

Nach dem Ausbruch des SARS-Virus 2003, hat die Regierung mehrere Personen wegen "Panikmache" festgenommen, weil sie per SMS über die Krankheit aufklären wollten. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als die Behörden die Existenz von SARS noch leugneten.