04.06.2004

STANDARDS

Digitales Kino in den Startlöchern

Seit dem Start des digitalen Kinos in den frühen 90ern hat sich die Industrie nicht nur über die Technologiestandards gestritten, sondern auch darüber, wer die Kosten für eine Umrüstung tragen muss: Kinos oder Filmstudios.

Für die Hollywood-Studios verspricht das digitale System vor allem Kosteneinsparungen beim Kopieren und Verschicken von Filmen, da die Distribution kostengünstig über das Netz erfolgen kann und teure Filmkopien entfallen.

Nachdem sich die flächendeckende Einführung des digitalen Kinos in den letzten Jahren aber immer wieder verzögert hat, glaubt man nun mit den Standards und den passenden Geschäftsmodellen ganz knapp vor dem Durchbruch zu sein:

"Es schaut aus, als würde sich zum richtigen Zeitpunkt alles zusammenfügen", so Tom Mykietyn, Direktor der Content-Entwicklung bei Sony.

Sony will TI an den Kragen

Sony hat am Donnerstag ein neues digitales Projektionssystem für Kinos vorgestellt, mit dem der Marktführer Texas Instruments [TI] bei Kosten und Technologie ausgestochen werden soll.

Bei der Präsentation in Hollywood zeigte man den Prototypen eines Projektors mit dem Sony-eigenen "4K"-Chip, der eine höhere Bildauflösung und Kontraste liefern soll - im Gegensatz zum System von Texas Instruments, das auf einem "2K"-Chip basiert.

Auch beim Preis geht Sony in die Offensive: Rund 60.000 Dollar soll der Projektor für kleinere Kinos kosten, ein zweites Modell für größere Leinwände ist mit 80.000 Dollar veranschlagt. Das liegt weit unter den Erwartungen von Hollywood.

Markt ist eröffnet

Auch bei TI ist man davon überzeugt, dass der Durchbruch nun bald geschafft ist. Zurzeit gibt es 95 Kinos in Nordamerika und 220 weltweit, die mit der digitalen "DLP Cinema"-Technologie von TI ausgestattet sind.

Sony will nun mit den neuen Projektoren, die ab 2005 den Markt erobern sollen, an TIs Marktführerschaft rütteln.

Für den "normalen" Kinogeher ist der Qualitätsunterschied zwischen den Projektoren mit 2K- oder 4K-Chips kaum erkennbar. Der Preisunterschied dürfte den Kinobetreibern aber schon auffallen.

Deshalb sehen Beobachter im wachsenden Wettbewerb ein deutliches Signal: Der Markt ist eröffnet.