Digitales Kino in den Startlöchern
Seit dem Start des digitalen Kinos in den frühen 90ern hat sich die Industrie nicht nur über die Technologiestandards gestritten, sondern auch darüber, wer die Kosten für eine Umrüstung tragen muss: Kinos oder Filmstudios.
Für die Hollywood-Studios verspricht das digitale System vor allem Kosteneinsparungen beim Kopieren und Verschicken von Filmen, da die Distribution kostengünstig über das Netz erfolgen kann und teure Filmkopien entfallen.
Nachdem sich die flächendeckende Einführung des digitalen Kinos in den letzten Jahren aber immer wieder verzögert hat, glaubt man nun mit den Standards und den passenden Geschäftsmodellen ganz knapp vor dem Durchbruch zu sein:
"Es schaut aus, als würde sich zum richtigen Zeitpunkt alles zusammenfügen", so Tom Mykietyn, Direktor der Content-Entwicklung bei Sony.
2004 als Wendepunkt
Laut den britischen Marktforschern von Screen Digest ist 2004 ein
Wendepunkt: Demnach soll sich die Zahl der britischen Kinos mit
digitalen Filmprojektoren auf 400 verdoppeln. In Großbritannien
fördert das Film Council die Umrüstung von 250 Kinos bis 2005 mit 20
Millionen Pfund.
Digitales Kino soll Durchbruch schaffenSony will TI an den Kragen
Sony hat am Donnerstag ein neues digitales Projektionssystem für Kinos vorgestellt, mit dem der Marktführer Texas Instruments [TI] bei Kosten und Technologie ausgestochen werden soll.
Bei der Präsentation in Hollywood zeigte man den Prototypen eines Projektors mit dem Sony-eigenen "4K"-Chip, der eine höhere Bildauflösung und Kontraste liefern soll - im Gegensatz zum System von Texas Instruments, das auf einem "2K"-Chip basiert.
Auch beim Preis geht Sony in die Offensive: Rund 60.000 Dollar soll der Projektor für kleinere Kinos kosten, ein zweites Modell für größere Leinwände ist mit 80.000 Dollar veranschlagt. Das liegt weit unter den Erwartungen von Hollywood.
Vorteile
Im Gegensatz zu herkömmlichem Filmmaterial, das mit wiederholtem
Abspielen schlechter wird, Sind Digitalfilme unbegrenzt haltbar.
Weiters wird die Möglichkeit des Dazublendens von Untertiteln
vereinfacht. Ein Server schickt die Daten zum jeweiligen Projektor,
der 35 Billionen Farbvariationen zeigen kann.
Digitalfilme halten Einzug in KinosMarkt ist eröffnet
Auch bei TI ist man davon überzeugt, dass der Durchbruch nun bald geschafft ist. Zurzeit gibt es 95 Kinos in Nordamerika und 220 weltweit, die mit der digitalen "DLP Cinema"-Technologie von TI ausgestattet sind.
Sony will nun mit den neuen Projektoren, die ab 2005 den Markt erobern sollen, an TIs Marktführerschaft rütteln.
Für den "normalen" Kinogeher ist der Qualitätsunterschied zwischen den Projektoren mit 2K- oder 4K-Chips kaum erkennbar. Der Preisunterschied dürfte den Kinobetreibern aber schon auffallen.
Deshalb sehen Beobachter im wachsenden Wettbewerb ein deutliches Signal: Der Markt ist eröffnet.
