Digitalfilme halten Einzug in Kinos
Während die Digitaltechnik andere Bereiche der Unterhaltungsbranche wie Musik, Fotografie und Video im Sturm erobert, bleibt der Analogbranche noch eine Festung: das Kino. Eine überwältigende Mehrheit der Kinos setzt noch auf das Medium Film.
Nach Wünschen der Digitalbefürworter soll aber im nächsten Jahr erstmals ein Umdenken einsetzen. Sie schwören auf die Vorteile der Digitalprojektion: eine schnellere Distribution, ein besseres Bild, mehr Möglichkeiten für Filmstudios. Analogfans halten entgegen, dass die Auflösung geringer ist, die Farbdynamik mit der des 35-mm-Films nicht zu vergleichen und die Einrichtung von Digitalprojektionen in Kinos horrend teuer ist.
"Digitalbild ist klarer und schärfer"
"Das Digitalbild ist einfach klarer, schärfer, die Farben sind
knackiger und das Bild ist ruhiger", fasst Patrick von Sychowski,
ein Analyst beim britischen Medienspezialisten Screen Digest,
zusammen. Nachdem die Digitaltechnologie in den vergangenen Jahren
zwar gehypt, aber selten umgesetzt wurde, soll 2004 das Jahr des
digitalen Kinos werden.
Schleppendes Wachstum bei DigitalkinosAufgeschlossenheit in Europa
Kinoketten und Tech-Unternehmen haben ihre Digitalkino-Investitionen kürzlich hochgeschraubt - in den nächsten zwölf Monaten sollen alleine in den USA mehr als 200 neue Kinos mit Digitalprojektion hinzukommen. Noch scheuen viele die hohen Investitionskosten, die pro Kino bei rund 125.000 USD für Server und Projektor liegen.
In Europa steht man der Technologie aufgeschlossener gegenüber. Mehrere europäische Kinoketten warten nicht auf Hollywood und zeigen auf ihren Digitalinstallationen Dokumentationen, Rockkonzerte und Filme unabhängiger Filmemacher. "Die neue Technologie gibt den lokalen Filmemachern eine zweite Chance, die sie auf 35 Millimetern nicht hatten", so Steve Perrin, Vize-Distributionschef des britischen Film Council. Das Komittee will dazu 20 Mio. Pfund in den nächsten zwei Jahren investieren.
Weitere Vorteile des Digitalfilms sind die Haltbarkeit - das Filmmaterial wird mit wiederholtem Abspielen nicht schlechter - und die Möglichkeit des Dazublendens von Untertiteln. Ein Server schickt die Daten zum jeweiligen Projektor, der 35 Billionen Farbvariationen zeigen kann.
Auch Indien interessiert
Auch in Indien, wo die lokale Filmindustrie sehr stark ist [Stichwort Bollywood], ist die Digitaltechnologie gefragt. Die Unternehmen Mukta Adlabs Digital Exhibition und Global Digital Creations statten derzeit 20 Kinos monatlich mit Digitaltechnologie aus.
Vorteil liegt in Distributionsmodell
Der größte Vorteil für Kinos liegt aber im Distributionsmodell. Bis dato mussten Kinos für einen frühen Zugriff auf die anfangs raren Filmrollen mehrere tausend USD bezahlen. Danach versuchten sie, in die kurze Mietdauer möglichst viele Vorstellungen zu pressen. Mit Hilfe der Digitaltechnologie kann ein Film so oft gezeigt werden wie gewünscht, da die Knappheit an Filmmaterial nicht besteht.
Die schwedische Kinokette Folkets Hus och Parker konnte so ihren Umsatz um 25 Prozent in den betreffenden Kinos steigern.
Größte Hürde bleiben die Filmstudios selbst. Widerstand der Regisseure, Bedenken in puncto Filmpiraterie und die Angst, die Macht über die Distributionskanäle zu verlieren, lassen noch viele Studios zögern. Einzig Warner und Disney [auf Grund seiner Partnerschaft mit Pixar] produzieren Digitalfilme. Digital-Blockbuster des heurigen Jahres waren "Finding Nemo" und "Last Samurai".
