SAP gegen Oracle im Übernahmefieber
Die Erzrivalen SAP und Oracle jagen einander mit milliardenschweren strategischen Übernahmen über den Markt für Unternehmenssoftware. Während der größte Zukauf in der SAP-Geschichte bis jetzt ruhig verläuft, mehren sich beim Großeinkauf Oracles seit Freitag die Schwierigkeiten.
Nachdem der US-Software-Konzern BEA Systems die 6,7-Milliarden-Dollar-Übernahmeofferte des Rivalen Oracle am Freitagabend als zu niedrig abgelehnt hatte, zeichnet sich ein Bieterwettkampf ab.
Die Firma sei deutlich mehr wert, schrieb das Führungsgremium in einem Brief an Oracle.
Die Börse sagt
Die Investoren an den Börsen erwarten jedenfalls ein Rennen um BEA Systems und gaben durch ihr Kaufverhalten den Nicht-Verkäufern recht.
Während Oracles Gebot einen Aufschlag von 25 Prozent auf den BEA-Schlusskurs vom Donnerstag darstellte, schoss das BEA-Papier nach Bekanntgabe der Übernahmepläne am Freitag um 38 Prozent [18,82 Dollar].
Der gefürchtete Carl Icahn
Das spricht ebenso für ein bereits ausgebrochenes Bietergefecht wie der Umstand, dass der gefürchtete Investor Carl Icahn Großaktionär beim Übernahmekandidaten BEA Systems ist.
Icahn forderte denn auch prompt höhere Gebote und brachte von sich aus die Namen IBM und Hewlett-Packard mit ins Spiel.
Ein IBM-Sprecher sagte auf die Frage, ob man an einem Gebot interessiert sei, sein Konzern äußere sich nicht zu Gerüchten. Bei HP war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
Die Beharrung
Oracle wiederum stellte in der Nacht auf Samstag klar, keineswegs mehr als die gebotenen 17 Dollar pro BEA-Aktie bezahlen zu wollen. Die aber war Freitagnacht fast 19 Dollar wert.
Man erklärte zum wiederholten Mal, Ziel der Übernahme sei es, die Position des Unternehmens Oracle im hart umkämpften Bereich Firmensoftware auszubauen.
Übersetzt heißt das: Oracle greift wieder einmal die Position des Weltmarktführers für Unternehmenssoftware an. Zugleich verteidigt man sich gegen Microsoft, den dritten maßgeblichen Player im Match um diesen lukrativen Markt.
Das Zerwürfnis
Aus einem am Freitag veröffentlichten Brief von Oracle-Präsident Charles Phillips an BEA ging hervor, dass eine Einigung offenbar kurz bevorstand - nach Auffassung von Oracle.
Phillips schrieb darin, für Freitag sei ein Treffen der beiden Firmen mit dem Ziel angesetzt gewesen, bis Montag eine Einigung unter Dach und Fach zu bringen. BEA habe das jedoch kurzfristig abgesagt.
Zerschlagene Gespräche
BEA-Vizepräsident William Klein entgegnete wiederum, seine Firma habe einem solchen Treffen gar nicht zugestimmt.
Das und die schnelle Aufeinanderfolge des Bekanntwerdens von Angebot und Ablehnung deutet erst recht daraufhin, dass die Gesprächsbasis vorerst zerschlagen ist.
Der Erzrivale
Parallel zum Übernahmeversuch hat Erzrivale und Weltmarktführer SAP vor wenigen Tagen erklärt, die französische Softwarefirma Business Objects für fünf Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Es wäre der größte Zukauf in SAPs Geschichte.
Ganz anders Oracle: seit 2005 wurden Übernahmen im Gesamtwert von 20 Milliarden Dollar getätigt. Allesamt mit ein- und demselben Ziel: um nach der Weltmarktführung im Bereich Datenbanken auch den Sektor integrierte Gesamtlösungen für Unternehmen zu dominieren. Marktführer SAP ist dabei naturgemäß im Wege.
Der Quartalsgewinn
Zu den jüngsten Zukäufen Oracles zählen Unternehmen wie Hyperion Solutions, Stellent und MetaSolv.
Vor allem dank der milliardenschweren Firmenübernahmen der vergangenen Jahre konnte Oracle seinen Quartalsgewinn zuletzt um ein Viertel steigern. Im Rennen gegen SAP wurde dabei Boden gutgemacht.
Industriespionage
Obendrein sind die beiden Rivalen in einen milliardenschweren Rechtsstreit verwickelt.
Oracle wirft SAP vor, sich über eine Tochterfirma illegalen Zugang zum internen Netz Oracles verschafft zu haben, um dort Industriespionage zu betreiben.
(futurezone | Reuters | CNBC | Bloomberg TV)
