Maut-Ausweitung "technisch kein Problem"
Der Vorstoß von Infrastruktur- und Verkehrsminister Hubert Gorbach [FPÖ] von Mittwoch, die Lkw-Maut auch auf Ausweichrouten auszudehnen, ist laut Zulieferer Kapsch zumindest technisch kein Problem.
Sollte sich herausstellen, dass die Mautflucht ein "signifikantes Problem" bleibe, sei eine Ausdehnung des heimischen Mautsystems "zu sinnvollen Kosten" ohne Probleme möglich, sagte Erwin Toplak, Chef von Kapsch TrafficCom, welches das Autobahnmautsystem in Österreich errichtet hat.
Entweder bei den Bordgeräten [GO-Boxen], bei der Logik des Systems oder bei der Infrastruktur müssten zwar Änderungen vorgenommen werden.
Auf zahlreichen [ehemaligen] Bundesstraßen gebe es aber bereits Überkopfwegweiser, zudem könnten die Sensoren auch an der Straßenseite montiert werden.
Bereits kurz nach dem Start der Lkw-Maut am 1. Jänner sprachen sich Wirtschaft, Industrie und Eisenbahnergewerkschaft einhellig für eine kilometerabhängige Maut auch für Pkws aus. Eine Ausweitung der Lkw-Maut lehnte die Wirtschaft jedoch vehement ab.
Mehr dazu in ORF.atFlächendeckend kein Problem
Die Kosten würden daher "sicher in Relation zum Resultat - den zusätzlichen Mauteinnahmen und dem Lenkeffekt - stehen", so Toplak weiter.
Toplak hält auch eine flächendeckende Lkw-Maut, die Gorbach am Mittwoch als "Fernziel" bezeichnet hatte, für technisch ohne Schwierigkeiten machbar. "Dafür gibt es genügend Lösungen, die bereits in Betrieb sind", so Toplak.
Auch die bisherigen Mauteinrichtungen könnten in ein flächendeckendes System eingebunden werden. Letztlich sei das nur "von den politischen Vorgaben abhängig".
Die geltende EU-Mautrichtlinie [Wegekostenrichtlinie] würde eine flächendeckende Lkw-Maut eigentlich verbieten. Zulässig sind Lkw-Mauten demnach nur auf vierspurigen oder breiteren Straßen mit Mitteltrennung.
Nur auf stark belasteten Ausweichrouten, auf denen durch den zusätzlichen Lkw-Verkehr die Straßensicherheit gefährdet werde, seien ebenfalls Mauten erlaubt, heißt es aus dem Verkehrsministerium.
Im Verkehrsministerium gab man sich nach dem Vorstoß von Mittwoch am Donnerstag wieder vorsichtiger. Bei einer Ausdehnung der Maut müsste auch die Beeinträchtigung des Wirtschaftsstandorts beachtet werden.
"Europameister" im MautkassierenEngland plant flächendeckende Maut
In Großbritannien wird derzeit bereits an der Ausschreibung für
die Einführung einer Lkw-Maut auf allen Straßen gearbeitet, sie soll
bereits Ende des Monats starten. Die notwendigen Gesetzesänderungen
sollen noch im Sommer erfolgen und nach einer Testphase 2006/07 soll
die flächendeckende Maut in Großbritannien 2008 in Betrieb gehen,
geht aus einem Bericht der britischen Ministerien für Finanzen und
Transport hervor.
Der BerichtIn der EU erlaubt sind auch so genannte Stadtmauten. In London gibt es eine solche City-Maut für Lkw und Pkw bereits seit dem Vorjahr.
London-Maut reduziert IndividualverkehrKeine technischen Probleme
Laut einer ersten Zwischenbilanz läuft das Mautsystem hier zu Lande bis dato klaglos. Die Einnahmen würden nahezu exakt im angepeilten Plan liegen, erklärte Klaus Schierhackl, Leiter des Bereichs Maut in der Autobahngesellschaft ASFINAG Ende März.
Technische Probleme hat es nach Aussagen des Mautbetreibers Europpass kaum gegeben. Europpass-Chef Christian Newole gab lediglich vereinzelte Ausfälle bei der Erfassung durch die Mautbalken und beim Abruf der detaillierten Fahrtenauflistung via Internet an.
Ein maßgeblicher Teil der Erfassungsprobleme sei außerdem auf Fehler der Fahrer - etwa beim Anbringen der GO-Box - zurückzuführen. So funktioniere die GO-Box nicht mehr, wenn sie verkehrtherum angebracht wird.
Auch die Frächter zeigten sich positiv überrascht. Das Mautsystem funktioniere technisch besser als erwartet, so der stellvertretende Obmann des Fachverbands Güterbeförderung, Nikolaus Glisic.
Österreichs Mautsystem läuft klaglos
