08.04.2004

UMWELT

Bleifreies Rechnen in Sicht

Chiphersteller Intel hat bekannt gegeben, dass die Verwendung von Blei in seinen Produkten heuer um 95 Prozent reduziert werden soll.

Nachdem Blei bereits aus Flash-Speicher-Karten verbannt wurde, sollen nun auch Chips und Prozessoren ohne Schwermetall hergestellt werden.

Eine EU-Richtlinie verpflichtet alle Mitgliedsstaaten ab Juli 2006 zu einem Verzicht auf gefährliche Inhaltstoffe wie Cadmium und Blei. Das betrifft auch Nicht-EU-Länder, die ihre Produkte in der EU vertreiben wollen.

So will man die Umweltschäden verringern, die aus dem weltweit immer größer werdende Problem IT-Schrott resultieren. Zudem wirkt sich Blei, das im vergangenen Jahrhundert in fast allen elektrischen Geräten Verwendung fand, auch negativ auf die Gesundheit aus.

Bleifrei im Trend

Auch Chiphersteller National Semiconductor will bis Ende des Jahres Blei völlig aus seinen Produkten verbannen und gab an, dass 90 Prozent seiner Erzeugnisse bereits bleifrei sind.

Weiters will man in PCs keine auf Brom und Antimon basierenden Brandhemmer mehr verwenden, weil diese ein potenzielles Gesundheitsrisiko darstellen.

Einen weiteren Schritt in Richtung bleifreie Computer macht Chiphersteller AMD, der seit einiger Zeit für die Herstellung seiner Produkte teilweise kein Blei mehr verwendet. In Zukunft soll das Blei durch eine Zinn-Silber-Kupfer-Legierung ersetzt werden.

Die Computerhersteller Hewlett Packard und Dell wollen das Umweltproblem von einer anderen Seite anpacken: Mit eigenen Recycling-Programmen, die in den letzten Jahren entwickelt wurden, sollen alte PCs und Zubehör umweltfreundlich entsorgt werden.

PC-Industrie lange nicht umweltfreundlich

Die Umweltschutzgruppe "Silicon Valley Toxics Coalition" begrüßte die Entscheidung von Intel, betonte aber, dass die Computerindustrie noch einen weiten Weg vor sich habe, bevor man sie umweltfreundlich nennen könne.

"Um einen Computer herzustellen, werden über 1.000 Chemikalien gebraucht, und viele davon sind gefährlich. Wir wissen nicht einmal, welche Auswirkungen sie alle auf die Umwelt haben können", meint Sheila Davis, Leiterin der "Clean Computer"-Kampagne.