06.04.2004

IT-SCHROTT

China versinkt im elektronischen Müll

Rund 90 Prozent des in den USA produzierten IT-Schrotts landen in China. Ein großer Teil davon wird in der südlich gelegenen Provinz Guangdong verwertet und von hunderttausenden Gastarbeitern für einen Hungerlohn "recycelt".

Dabei werden die Geräte in ihre Einzelteile zerlegt und weiterverkauft. Dies ist eine gefährliche Arbeit, bei der Computerteile teilweise über Kohlefeuer verbrannt oder mit Säuren behandelt werden, um Kupfer, Gold und andere Metalle zu extrahieren.

Bereits vor zwei Jahren veröffentlichten das "Basel Action Network" [BAN] und mehrere Umweltschutz-Organisationen eine Studie, die über die US-Ausfuhr von IT-Müll nach China und deren Auswirkungen auf die Umwelt aufklärte. Zu deren Bedauern hatte das Ergebnis aber keine Auswirkungen auf das "Wegwerf-Verhalten" der USA.

"Man könnte diese Angelegenheit viel einfacher von der Export-Seite kontrollieren, aber die USA handeln einfach nur verantwortungslos", so BAN-Koordinator Jim Puckett

Fehlende Gesetze

Trotz fehlender Gesetze setzen sich manche US-Bundesstaaten für das Recycling von elektronischem Müll ein. In Kalifornien dürfen Computer und Fernseher seit 2001 nicht mehr auf Mülldeponien entsorgt werden. Ab 1. Juli soll für jedes Gerät beim Kauf eine zusätzliche Gebühr zwischen sechs und zehn USD eingehoben werden. Damit will man künftig das Recycling finanzieren.

Weiters soll auch der Export von IT-Müll eingeschränkt und nur erlaubt werden, wenn eine Bestätigung der Zieldestination vorliegt. Außerdem muss der Transport 60 Tage vorher angekündigt werden. BAN-Aktivisten glauben dennoch, dass skrupellose Betreiber Mittel und Wege finden, um diese Restriktionen zu umgehen.

China hingegen will nicht mehr länger warten, bis die USA ihre Abfall-Lieferungen eindämmen. Seit 2004 werden Schiffe mit illegalem IT-Schrott in chinesischen Häfen wieder zurückgeschickt.