Die IT-Woche im Überblick
Das EU-Gericht erster Instanz bestätigt, dass Microsoft wettbewerbsfeindlich gehandelt hat, das iPhone kommt ohne UMTS nach Europa und vorerst nicht nach Österreich und die EU gibt grünes Licht für die One-Übernahme - das war die Woche vom 16. bis 22. September.
Niederlage für Microsoft
Die Woche begann für Microsoft alles andere als erfreulich: Am Montag wies das EU-Gericht erster Instanz eine Beschwerde des US-Software-Konzerns gegen ein von der EU-Kommission verhängtes Bußgeld in der Höhe von 497 Millionen Euro in allen wesentlichen Punkten zurück.
Das Gericht folgte der Argumentation der Brüsseler Wettbewerbshüter, dass Microsoft seine marktbeherrschende Stellung missbraucht habe.
Auswirkungen teils unklar
Die finanziellen Auswirkungen des Urteils sind noch unklar. Microsoft hat zwar die Möglichkeit einer Berufung, die jedoch nur aus formalen Gründen möglich ist, nicht ausgeschlossen, erklärte aber, das Urteil in allen Punkten befolgen zu wollen.
Die EU-Kommission erhofft sich durch das Urteil mehr Wettbewerb und weniger Marktanteil für Microsoft, andere fürchten nun um ihre Geschäfte. Heftiger Beifall kam vom ehemaligen EU-Kommissar Mario Monti, heftige Kritik aus dem US-Justizministerium.
IPhone kommt ohne UMTS
Seit Dienstag steht fest, dass Apples iPhone ohne UMTS diesen Herbst nach Europa kommt. In Großbritannien ist O2 Exklusiv-Partner von Apple, in Deutschland T-Mobile und in Frankreich Orange.
Der Grund: "Die 3G-Chipsets sind echte Stromfresser", erklärte Apple-Chef Steve Jobs in London. Sie würden die Akkulaufzeit auf zwei bis drei Stunden minimieren.
Keine Pläne für Österreich
Während für Großbritannien sowohl der Preis des iPhones [rund 390 Euro] als auch die Tarifpakete feststehen, gab T-Mobile nur den Preis des Apple-Handys [399 Euro] bekannt. Tarife sollen erst zum Marktstart folgen. Orange hüllte sich zu beiden Themen in Schweigen.
Gerüchte, wonach T-Mobile das iPhone auch in Österreich exklusiv vermarkten soll, wurden sowohl von T-Mobile Österreich als auch T-Mobile Deutschland auf Anfrage von ORF.at nicht bestätigt.
Statt über UMTS sollen iPhone-Nutzer in Großbritannien über WLAN schnellen Zugriff auf das Internet erhalten, die Nutzung der Hotspots ist in den Tarifpaketen integriert.
Seit Dienstagmitternacht sind auch Kolumnen und große Teile des Archivs der NYTimes wieder kostenlos zugänglich.
EU-Kommission untersucht iTunes-Preise
Apple droht ebenfalls Ungemach von der EU-Kommission: Am Mittwoch erklärten die Musikkonzerne Universal Music und Sony BMG und Vertreter von Apple bei einer Anhörung vor der EU-Kommission ihre Standpunkte zur Preisgestaltung im Apple iTunes Store.
Die EU-Wettbewerbsbehörde wirft Apple und den vier großen Musikkonzernen [Universal Music, EMI, Sony BMG und Warner Music] vor, die Wahlfreiheit beim Kauf von Online-Musik innerhalb Europas einzuschränken. Die Anhörung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Im Vorfeld der ersten Anhörungen schoben einander Apple und die großen Musikkonzerne bereits gegenseitig den Schwarzen Peter zu.
EU zahlt Satellitennavigation Galileo
Am Mittwoch schlug die EU-Kommission vor, die zusätzlichen Kosten in der Höhe von 2,4 Milliarden Euro für den Aufbau des europäischen Satelliten-Navigationssystems Galileo aus dem laufenden EU-Haushalt aufzubringen.
Das Projekt soll insgesamt 3,6 Milliarden Euro kosten. Die EU hat bereits 1,2 Milliarden Euro dafür ausgegeben. Die zusätzlichen Mittel sollen nun zum größten Teil aus dem Agrarhaushalt abgezweigt werden, teilte die EU-Kommission am Mittwoch mit.
Mittlerweile wird bereits über die Auftragsvergabe heftig gestritten.
Das Smiley feiert Geburtstag
Am 19. September 1982 hat Scott Fahlman einen Doppelpunkt, ein Minus und eine geschlossene Klammer als Markierung für ironische Postings vorgeschlagen - das elektronische Smiley war geboren.
One-Übernahme ist fix
Die Übernahme von One durch die France-Telecom-Tochter Orange und einen britischen Finanzinvestor ist seit Freitagabend endgültig fix.
Die EU-Kommission genehmigte die Übernahme wie erwartet ohne Auflagen. Durch den Zusammenschluss dürfte der wirksame Wettbewerb "nicht erheblich behindert werden", erklärte die Kommission in einer Pressemitteilung.
Dem Vernehmen nach werden der endgültige Vertragsabschluss und der bereits angekündigte Personalwechsel an der Spitze von One in den ersten Oktobertagen über die Bühne gehen.
Kein Verbot für Videospiele
Bei der Wiener "Game City" hat sich Wissenschaftsminister Johannes Hahn [ÖVP] am Freitag gegen die reflexartige "Verteufelung" von Computerspielen ausgesprochen. Auch die Wiener Vizebürgermeisterin Grete Laska [SPÖ] erteilt Verboten von "Killerspielen" eine Absage.
Nun sollen die Jugendschutzgesetze bundesweit mit einer verpflichtenden Alterskennzeichung versehen werden.
Was sonst noch geschah
Ebenfalls diese Woche hat sich die Open Mobile Terminal Platform für Micro-USB als einzigen Ladestecker für alle Handys ausgesprochen, Sony muss seine Online-Welt "Home" verschieben und Intel zeigte den ersten Prozessor mit 32 Nanometer Strukturbreite und 1,9 Milliarden Transistoren.
Intel will gemeinsam mit Hewlett-Packard, NEC, NXP Semiconductors und Texas Instruments USB 3.0 vorantreiben und gründete dafür eine Promoter Group.
