Time Warner will AOL abstoßen
Im Medienkonzern Time Warner wird mittlerweile laut darüber nachgedacht, den offenbar nicht sanierbaren Verlustbringer America Online [AOL] abzustoßen.
Unternehmenschef Richard Parsons werde "die strategische Bedeutung eines weiteren Festhaltens an der verlustreichen Sparte abwägen", die Angelegenheit habe "oberste Priorität". Dies berichtet das "Wall Street Journal Europe" am Freitag unter Berufung auf Parsons-Vertraute.
Eine definitive Entscheidung sei noch nicht gefallen, da Analysen der Geschäftsfelder für den neuen Business Plan noch in Gange seien. Andere Vorstände des Konzerns erachteten eine Trennung von AOL zum jetzigen Zeitpunkt als zu früh.
Bisher hatte Time Warner das Ziel angepeilt, die verlustreiche Sparte wieder in die Gewinnzone zu bringen. Noch im Dezember hatte CEO Parsons angekündigt, mit dem Verkauf von Content anstatt von Zugängen würde mittelfristig Wachstum erzielbar sein.
"AOL wird Pay-TV des Internet"CEO seit 2002
Parsons ist seit 1991 in führenden Positionen im Konzern tätig,
ein Einbruch seiner Karriere erfolgte nach dem Merger mit AOL. Nach
dem Abschied von AOL-Chef Steve Case wurde Parsons 2002 zum Chief
Executive Officer befördert.
Mehr über Parsons und den VorstandDie Gerüchte vom Mittwoch
Bereits am Mittwoch hatten in New York Gerüchte die Runde gemacht, wonach bei der Investmentbank Goldman Sachs im Auftrag von Time Warner bereits strategische Alternativen für AOL ausgearbeitet würden.
Ein Time-Warner-Sprecher hatte dies nicht kommentieren wollen und den Inhalt des Berichtes als Spekulation bezeichnet.
AOL hatte Time Warner im Jänner 2001 für 112 Mrd. USD [91,3 Mrd. Euro] übernommen. Der Übernahme war ein dramatischer Kurssturz gefolgt, zuletzt saß AOL auf einem Schuldenberg in Milliardenhöhe.
Wegen der falschen Buchung von 270,1 Millionen USD auf der Habenseite musste der Chief Operating Officer [COO] des weltgrößten Medienkonzerns 2002 zurücktreten.
Kreative Buchaltung bei Time Warner
