Toll Collect strukturiert wieder um
Der designierte Aufsichtsratschef von Toll Collect, Konrad Reiss, will die Geschäftsführung des Maut-Betreibers erneut umbauen.
Der "Spiegel" berichtete am Samstag, nach dem Rauswurf von DaimlerChrysler-Manager Michael Rummel als Boss des Konsortiums im Oktober solle nun auch sein Nachfolger, Telekom-Manager Hans-Burghardt Ziermann, seinen Posten räumen. Dem Manager werde vorgeworfen, die Missstände bei Toll Collect zu lange geduldet zu haben.
Personalrochade im Vorstand
Anders als Rummel soll Ziermann jedoch auf einem anderen Posten
in der Geschäftsführung verbleiben, heißt es in dem Hamburger
Nachrichtenmagazin weiter. Wer seine Nachfolge antrete, sei noch
offen. Toll-Collect-Sprecher Martin Fensch sagte am Samstag,
Personalentscheidungen lägen in der Zuständigkeit der
Konsortialpartner. Er werde sich dazu nicht äußern.
Lkw-Maut belastet Deutsche TelekomAuch Reiss als "Toll-Collect-Oberaufseher" wird inzwischen wegen seiner Machtfülle kritisiert. Reiss sei als Chef von T-Systems größter Auftragsnehmer von Toll Collect. Als Aufsichtsratschef des Unternehmens, warnten Konzernjuristen nach "Spiegel"-Angaben, würde er demnächst seine eigenen Projekte genehmigen und kontrollieren.
Weiter heißt es in dem Bericht, im Lenkungsausschuss von Toll Collect sei mitgeteilt worden, dass es nicht mehr die On-Board-Units in den Lkws seien, die den Ingenieuren die größten Sorgen bereiteten. Gravierender seien inzwischen Software-Probleme. Beispielsweise laufe das Abrechnungssystem noch immer so holprig, dass es unter Realbedingungen wohl zusammenbrechen werde. Lieferant der Software sei Reiss mit seiner T-Systems.
Software-Projektkoordination bei Siemens
Nach der Pannenserie und einer von der Regierung angedrohten
Kündigung hatten sich der Bund und Toll Collect auf eine weitere
Zusammenarbeit verständigt. Die Deutsche Telekom übernimmt die
operative Führung des Maut-Betreibers. Ihr Tochterunternehmen
T-Systems trägt als Generalunternehmer die Verantwortung für die
zentralen Komponenten. Die Verantwortung für die technische
Projektkoordination zur Entwicklung der endgültigen Software wurde
Siemens übertragen.
Toll Collect soll weiterlebenRechnungshof prüft
Die bereits zwei Mal verschobene Mauterhebung soll nach der jüngsten Vereinbarung spätestens am 1. Januar 2005 beginnen. Die endgültige OBU-Software soll ab dem 1. Januar 2006 zum Einsatz kommen.
Die Unionsfraktion hat unterdessen einen Antrag in den Bundestag eingebracht, mit dem die Regierung aufgefordert wird, in einem Bericht das ganze Ausmaß der fehlenden Maut-Einnahmen und alle haushaltsrelevanten Auswirkungen darzustellen. Da der Bundesrechnungshof im Verkehrsministerium derzeit die "Maut-Misere" prüfe, forderten CDU und CSU, nach Abschluss der Untersuchung auch über dessen Ergebnisse zu berichten.
