"Powerline" klagt Amateurfunker
Mit einiger Spannung wurden die Ergebnisse einer Kontrollmessung des Fernmeldebüros Oberösterreich erwartet, die vom Betreiber des Linzer Powerline-Projekts heute bekanntgegen wurden.
Ein "außergewöhnlich gutes Ergebnis", sagte Johannes Hanetseder, Jurist bei der Linz-Strom auf Anfrage. Auch aus dem Fernmeldebüro OÖ verlautet, dass nur geringe Störungen vorgelegen waren.
Bestätigen konnte Hanetseder, dass über eine Wiener Anwaltskanzlei gegen Michael Zwingl, den Präsidenten des österreichischen Versuchssender-Verbands [OEVSV] und den Verband selbst Klage unter anderem wegen Kreditschädigung eingereicht worden sei.
Über das Ausmaß der Forderungen konnte auch der Beklagte, den die fuzo an seinem Urlaubsort im südlichen Pazifik erreichte, keinerlei näheren Angaben treffen, da die Klage noch nicht zugestellt worden sei. Zwingl bleibt seinen Aussagen über das Linzer "Internet-aus-der-Steckdose"-Projekt, das diese Klage ausgelöst hatte.
Kernaussage: Der Betrieb von "Powerline-Modems" an nichtabgeschirmten Stromleitungen als Regelfall ist dazu geeignet, den Funkverkehr auf Kurzwellen-Frequenzen die Funkamateuren, Katatstrophenschutzdiensten, internationalen Radiostationen oder dem Militär zugewiesen sind, in erheblichen Ausmaß zu stören.
Die Position der FunkamateurePowerline und Katastrophenschutz
Wie schon nach der ersten Messrunde im Dezember, in der das Fernmeldebüro Störungen des Funkverkehrs durch den Betrieb der Powerline-Modems festgestellt hatte, gehen die Aussagen von Powerline-Betreibern und den gleichfalls anwesenden Messtechnikern des OEVSV nahezu diametral auseinander.
Zwar sei der Störpegel bei Tests mit dem neuen Modem nicht mehr ganz so hoch gewesen, ein festgestellter Anstieg um 20 bis 30 db nach dem Einschalten des Modems reiche immer noch aus, um jeden Funkverkehr völlig zuzudecken.
"Da ist auch der Kurzwellendienst des ORF auf 6155 Kilohertz weg" sagte einer der Fachreferenten OEVSV, Michael Kastelic, "von den weit schwächeren Sendern der Rettungsdienste einmal abgesehen. Während der Katastrophe von Galtür, als die Handynetze unter der Belastung zusammengebrochen waren, war der Ort nur über Kurzwelle zu erreichen."
Speed-Web"Amateure", die Profis sind
Entgegen allen Assoziationen, die der Begriff "Amateurfunker" heraufbeschwört, besteht die weitaus größte Zahl dieser "Amateure" aus gestandenen Professionals: Nachrichten- und Fernmeldetechniker von Bundesheer, Rotem Kreuz und anderen Hilfsorganisationen, Siemens, der Telekom Austria, der Handynetz-Betreiber, dem ORF und einer großen Zahl kleinerer Firmen.
Die Erfinder von GPRS
Das heute in Handynetzen der dritten Generation verwendete
Protokoll für drahtlose Datenübertragung GPRS [General Packet Radio
Service bzw. System] etwa wurde vor bald zwei Jahrzehnten von
Funkamateuren für den Einsatz auf Kurzwelle entwickelt und ist dort
seitdem in Gebrauch.
Der Österreichische Versuchssenderverband besteht seit mittlerweile 75 Jahren.
