28.01.2004

"HOPPALA"

Keine Standing Ovations für Bill Gates

"Wir befinden uns in einer Dekade, in der die Software mehr als je zuvor Geschäftsprozesse grundlegend verändern wird", erklärte heute der Gründer des weltgrößten Softwarekonzerns Microsoft, Bill Gates, beim Technologieberatertreffen com.sult in Wien.

Neue Technologien würden in bisher nicht gekanntem Ausmaß neue Produktionsmöglichkeiten und somit Arbeitsplätze schaffen. Software und die Vernetzung von IT-Infrastruktur ist laut Gates "der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg".

Gates: Patches immer brav einspielen

Der Trend hin zu immer billigerer Hardware und mobilen Endgeräten würde die Notwendigkeit zur Rationalisierung noch verstärken. Voraussetzung sei, dass die Software automatisch erkenne, mit welchem Endgerät der Nutzer unterwegs ist, und eine einheitliche Benutzerplattform für die verschiedensten Anwendungen.

Die Nachfolgegeneration des Betriebssystems Windows, Longhorn, soll das beherrschen, doch die Entwicklung dafür würde noch zwei bis drei Jahre dauern, so der reichste Mann der Welt.

Ein weiteres wichtiges Thema der IT-Zukunft sei die Sicherheit. Dabei betonte Gates, dass sich die meisten Virenangriffe durch regelmäßige Updates vermeiden hätten lassen.

Keine Standing Ovations

Nach der Rede des Microsoft-Gründers kam es zu "einem kleinen Hoppala" [APA]. Als der Veranstalter des Technologieberatertreffens com.sult die Besucher zu Standing Ovations aufforderte, kamen dem nur zögerlich die Wirtschaftsprominenten in den ersten Reihen nach.

Der Rest blieb sitzen oder verließ rasch den Saal. Die anschließende Podiumsdiskussion ohne Gates verfolgte dann auch nur noch ein stark reduziertes Publikum.

Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein [ÖVP] sprach auf der gleichen Veranstaltung im Haus der Industrie am Schwarzenbergplatz über den Wirtschaftsstandort Österreich, auf dem "Innovationspotenzial und Informationstechnologie Motoren des Fortschritts" seien.

Mehr Einblick

Das Innenministerium gab unterdessen eine Erweiterung des Abkommens mit Microsoft Österreich bekannt:

Durch die Teilnahme am Government Security Program [GSP] verfüge das Ministerium nicht nur über den kontrollierten Zugriff auf den Windows-Quellcode. Dem Ministerium würden von Microsoft auch ergänzende technische Informationen über die Windows-Plattform offen gelegt.

Proteste von Open-Source-Befürwortern

Es gibt allerdings auch kritische Stimmen anlässlich des Gates-Besuchs in Wien: Die "CODE"-Sektion der Globalisierungskritiker von ATTAC hatte zu einer Demonstration vor dem Haus der Industrie am Schwarzenbergplatz aufgerufen, wobei die Demonstranten teilweise in Pinguinkostümen auftraten.

Und die Landtagsabgeordnete der Wiener Grünen, Marie Ringler, kritisierte in einer Aussendung, dass "sich der Bund anscheinend lieber mit Repräsentanten marktbeherrschender Unternehmen trifft und deren Werbefeldzüge unterstützt", statt sich um Alternativen zu bemühen.