Rekordjahr für Würmer und Viren
Nachdem vor zwanzig Jahren der Begriff "Computervirus" erstmals genau definiert wurde und 1986 mit "Brain" der erste PC-Virus, damals noch in der Regel über Disketten, seine Verbreitung fand, haben Viren und Würmer in diesem Jahr ein neues Rekordhoch erreicht.
Das Jahr begann mit "Slammer", der im Jänner eine lang bekannte Sicherheitslücke in Microsofts SQL-Server nutzte und innerhalb weniger Stunden eine viertel Million Rechner weltweit infizierte.
Die Attacke brachte den Internet-Verkehr teilweise zum Erliegen.
"Fizzer" und "Bugbear"
Im Mai folgte die "Fizzer"-Flut, der Wurm verbreitete sich über
einen eigenen SMTP-Server via E-Mail und über P2P-Tauschbörsen, und
der alte Bekannte "Bugbear", erstmals im September 2002 aufgetaucht,
schlug im Juni in einer neuen Version zu.
Ikarus-Jahrescharts
Virentrends 2003 bei Symantec"Blaster" kam durch Internet-Verbindung
Besonders erfolgreich trieb Anfang August der "MSBlaster"-Wurm sein Unwesen. Er machte sich dabei abermals eine MS-Sicherheitslücke, diesmal im Betriebssystem Windows, zu Nutze und verbreitete sich nicht via E-Mail, sondern einem Buschfeuer gleich durch bestehende Internet-Verbindungen.
Auch in Österreich hatten viele Windows-Benutzer mit dem Virus und den verursachten Systemabstürzen zu kämpfen.
Auf seinem Höhepunkt verbreitete sich das Programm mit einer Rate von 2.500 Rechnern pro Stunde. Doch auch Monate nach dem ersten Ausbruch wurden immer noch ungeschützte Rechner infiziert.
Nur wenig später, Ende August, vermehrte sich "Sobig.F" mit rasantem Tempo weltweit. In China wurden bis zu 30 Prozent aller Computer, die am Netz hängen, infiziert.
"Sobig" verbreitete sich dabei radikaler als alle seine Vorgänger, indem er die E-Mail-Eingänge regelrecht überschwemmte. Zu Spitzenzeiten waren geschätzte sechs Prozent des weltweiten Mailverkehrs mit dem Schädling infiziert.
Österreich: Wer haftet für Virenschäden?
Anlässlich eines aktuellen Falls hat der Salzburger Richter und
Internet-Spezialist Franz Schmidbauer Anfang des Jahres einen
Überblick über die rechtliche Situation bezüglich Haftbarmachung für
Virenschäden in Österreich verfasst.
Wer für Virenschäden haftet"Social Engineering" bei "Sober"
Ende September verbreitete sich der Wurm "Swen" alias "Gibe.F" unter Ausnutzung einer bekannten Sicherheitslücke im Internet Explorer via E-Mail und Tauschbörsen. "Swen" tarnte sich als Microsoft-Programm und täuschte vor, ein Sicherheitsloch zu schließen.
Mitte Dezember lief zudem eine weitere Wurm-Variante "Sober.C" zur Höchstform in Europa auf.
Der raffinierte Schädling war und ist dabei mit unzähligen deutschen Textvarianten im Umlauf, was die Identifizierung nach äußeren Merkmalen deutlich erschwert.
Einige Verhaftungen
Zwar wurden 2003 auch eine Reihe von meist jugendlichen
Virenautoren aus Großbritannien, Spanien, Italien, Rumänien und den
USA festgenommen.
"W32.Blaster"-Nachahmer verhaftetVirenautoren meist "unfassbar"
Doch geht man von geschätzten 86.000 verschiedenen Viren im Internet aus, wurden nur lächerlich wenige Autoren ausgeforscht.
Neben teilweise ungenügenden Gesetzen, die eine wirkungsvolle Verfolgung verhindern bzw. eine Bestrafung erst gar nicht vorsehen, wird das Gros der Virenautoren aber vor allem dadurch zu Phantomen, dass sie sich nicht erwischen lassen.
Selbst spezialisierte US-Strafverfolger gestehen ein, dass ein wirklich cleverer Virenschreiber nur durch besonders glückliche Zufälle für die Ermittler, aber eigentlich kaum durch systematische Verfolgungsmethoden gefasst werden kann.
MS setzte Kopfgeld aus
Um die Virenschreiber schneller zur Strecke zu bringen, hat
Microsoft als ersten Schritt Anfang November eine Belohnung von
250.000 USD für Hinweise, die zur Ergreifung der Autoren des
"Sobig"- bzw. des "Blaster"-Virus führen, ausgesetzt.
Microsoft-Kopfgeld auf Virenschreiber
