Murdoch kurz vor Dow-Jones-Übernahme
Der Verwaltungsrat des US-Medienkonzerns Dow Jones & Company hat in der Nacht auf Mittwoch dem Verkauf des Unternehmens an die News Corp. des Medienmagnaten Rupert Murdoch für fünf Milliarden US-Dollar [3,6 Mrd. Euro] zugestimmt.
Der Verwaltungsrat sei bereit, den Aktionären - einschließlich der Anteilseigner der Bancroft-Familie - die Annahme der Offerte für 60 Dollar je Dow- Jones-Aktie zu empfehlen. Das betonte Dow Jones in einer in der Nacht auf Mittwoch in New York veröffentlichten Pressemitteilung. Dow Jones ist unter anderem der Herausgeber des "Wall Street Journal". Die News Corp. zählt zu den weltgrößten Medienkonzernen.
Zustimmung der Bancrofts steht aus
Die größte Hürde muss allerdings noch genommen werden. Es steht noch die Zustimmung der Bancroft-Familie aus, die insgesamt 64 Prozent der Dow-Jones-Stimmrechte hält, obwohl sie nur rund 25 Prozent aller Dow-Jones-Anteile hält. Ihre Anteile sind mit Mehrfachstimmrechten ausgestattet.
Der Verwaltungsrat der News Corp. sei zu dem Abkommen bereit. Der Murdoch-Konzern bestehe jedoch darauf, dass sich die Bancrofts und ihre Treuhänder mit einer für die News Corp. zufrieden stellenden Stimmrechtskraft "prompt" für eine Unterstützung des Kaufs aussprechen, hieß es in der Dow-Jones-Erklärung. Es wurde jedoch nicht präzisiert, wie hoch die Zustimmungsquote der Bancrofts sein muss.
Treffen am Montag
Michael B. Elefante, ein Vertreter der Bancroft-Familie, habe dem Dow-Jones-Verwaltungsrat erklärt, dass die Familie und ihre Treuhänder die vorgeschlagene Transaktion mit der News Corp. prüfen wollten, hieß es weiter.
Die Bancroft-Familie will sich nach Angaben der Zeitung jetzt am Montag treffen und werde mehrere Tage Zeit erhalten, um den Deal zu überprüfen. Ursprünglich war ein Treffen für diesen Donnerstag angekündigt. Die Unterstützung für den Verkauf durch den Verwaltungsrat übe einigen Druck auf die Bancrofts aus. Die Familienmitglieder seien jedoch geteilter Meinung darüber, ob sie dem Verkauf zustimmen sollen.
Ein unwiderstehliches Angebot
Die Bancroft-Familie hatte das Angebot ursprünglich abgelehnt, sich dann aber doch zu Gesprächen mit Murdoch oder anderen Interessenten bereit erklärt. Einige der Hauptakteure hatten sich intensiv um andere Käufer bemüht.
Der von Murdoch offerierte Preis von 60 Dollar je Dow-Jones-Aktie stellte ein massives Aufgeld von 67 Prozent gegenüber dem Dow-Jones-Kurs vor Abgabe der Offerte vor etwa drei Monaten dar.
Die News Corp. ist einer der weltgrößten Medienkonzerne mit Kabel-, Satelliten- und anderen Fernsehoperationen sowie Zeitungen und anderen Medienprojekten auf beiden Seiten des Atlantiks sowie in Australien und Asien.
Fox TV, MySpace, Dow Jones
Ihr gehören unter anderem der amerikanische Fox-Fernsehsender, das Filmstudio 20th Century Fox, die "New York Post" und die Website MySpace. Murdoch will ab Oktober dem von General Electric und seiner Medientochter NBC kontrollierten lukrativen Wirtschaftsfernsehsender CNBC mit einem eigenen Börsenfernsehsender Konkurrenz machen.
Hierfür wäre Dow Jones mit dem "Wall Street Journal", der Börsenwochenzeitung "Barron's", der Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones Newswire, der Online-Wirtschaft-Site MarketWatch und anderen Medienprojekten ein idealer Partner. Dow Jones kontrolliert auch die Lokalzeitungsgruppe Ottaway.
(dpa)
