Murdoch verhandelt härter um Dow Jones

25.06.2007

Laut "Wall Street Journal" hat Rupert Murdochs News Corp. die Verhandlungen zur Übernahme des "WSJ"-Mutterkonzerns Dow Jones & Co. über das Wochenende intensiviert. Das Blatt sieht seine journalistische Unabhängigkeit in Gefahr.

Wie das "Wall Street Journal" am Montag berichtet, haben sich die Gespräche zwischen Murdochs News Corp. und Dow Jones am Wochenende "intensiviert". Dow Jones ist weltweit einer der traditionsreichsten und wichtigsten Anbieter von Wirtschafts- und Finanzinformationen in traditionellen Medien und im Web.

Fünf Milliarden US-Dollar

Murdoch bietet der Familie Bancroft, die seit über 100 Jahren die Geschicke von Dow Jones & Co. leitet und über 64 Prozent der Stimmrechte an der Firma hält, rund fünf Milliarden US-Dollar an. Murdochs Gebot übersteigt den derzeitigen Börsenwert der Firma um 67 Prozent.

Ein Angebot seitens Dow Jones, das Murdoch eine Struktur vorgeschlagen hatte, die die journalistische Unabhängigkeit des Unternehmens hätte sichern sollen, habe dieser am Freitag als "beleidigend" zurückgewiesen und mit einem Abbruch der Verhandlungen gedroht.

Zahnloses Schutzkomitee

Über das Wochenende, so der "WSJ"-Bericht, hätten die Verhandlungen aber wieder an Fahrt aufgenommen. News Corp. habe eine neue Zusammensetzung des Komitees vorgeschlagen, das über die Unabhängigkeit der Dow-Jones-Medien wachen solle.

Dieses Komitee solle sich aus 16 Mitglieder zusammensetzen, von denen elf von News Corp. ernannt und fünf unabhängig sein sollten. Aber auch die fünf unabhängigen Mitglieder bedürfen nach diesem Vorschlag der Zustimmung durch News Corp. Außerdem solle nur noch ein Mitglied der Bancroft-Familie in diesem Komitee sitzen dürfen.

Das "WSJ" vergleicht Murdochs Vorschlag mit einem ähnlichen Komitee, das bei der Übernahme der Londoner "Times" 1981 installiert worden sei und sich schnell als vollkommen ineffizient erwiesen habe. Murdoch habe sehr schnell Journalisten entlassen, die nicht auf seiner Linie gelegen seien.

Der von Murdoch abgelehnte Vorschlag von Dow Jones hätte dem Komitee ein Vetorecht bei der Ernennung zentraler journalistischer Positionen im Konzern gegeben und diesem Führungspersonal auch weitestgehende Budgethoheit eingeräumt.

Da Murdoch nun diesen Vorschlag abgelehnt hat, sieht das "Wall Street Journal" die journalistische Unabhängigkeit der Dow-Jones-Medien in Gefahr. Zum Konzern gehören außer dem Flaggschiff "WSJ" zahlreiche traditionelle Medienkanäle, Finanzinformationsdienste und Wirtschafts-Websites.

Murdoch auf Einkaufstour im Internet

Murdochs konservativer Medienkonzern baut seine Aktivitäten auch im Internet strategisch aus. Nach dem Kauf des Sozialen Netzwerks MySpace für 1,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2005 übernahm News Corp. auch den Klingelton-Anbieter Jamba und die Fotowebsite Photobucket.

Auch ein Tausch von Anteilen am strauchelnden Internet-Medienkonzern Yahoo gegen MySpace stand unlängst im Raum.

(WSJ | futurezone)