Gipfeltreffen Medien und Internet

11.07.2007

Bill Gates, Intel-Chef Craig Barrett, die beiden Ober-Googles und Yahoos treffen ab heute mit Rupert Murdoch und den Chefs von Disney, Time Warner, CBS, Viacom et al. zusammen. Diskutiert wird die Aufteilung des Multimedia-Kuchens in Zeiten von "Social Networks 2.0": Facebook, Joost und Ning.

In der Bergwelt von Idaho kommen am Mittwoch die absoluten Größen der US-Medienbranche fünf Tage lang zusammen, um wie jedes Jahr in Sun Valley über die nähere Zukunft ihrer Branche zu meditieren.

Dabei ist natürlich Rupert Murdoch, der drauf und dran ist, Dow Jones & Co. zu kaufen, also auch das "Wall Street Journal", das einflussreichste Finanzblatt der Welt.

Vom selbigem Großkaliber sind auch die weiteren Teilnehmer: der Chef von Time Warner, Dick Parsons, etwa, Disney-CEO Robert Iger und Leslie Moonves, der Chef von CBS, um nur einige zu nennen.

Larry Page and Sergey Brin

Dass Sumner Redstone, Chairman von Viacom, in Sun Valley allerdings beim Golfen und Smalltalk mit den beiden Google-Gründern gesehen wird, ist eher unwahrscheinlich.

Da eine Diskussion über die Zukunft der Medienbranche 2007 nun einmal in Abwesenheit der Internet-Partie nicht sehr sinnvoll wäre, sind Larry Page und Sergey Brin samt ihrem Google-CEO Eric Schmidt ebenso dabei wie ihre Yahoo-Pendants Terry Semel und Jerry Yang.

Bill Gates und sein Haberer

Dazu: Craig Barrett, der Intel-Chef, und natürlich Bill Gates, der noch jedes Jahr in Sun Valley gastiert hat. In seinem Schlepptau ist - wie oft bei solchen Anlässen - sein Haberer Warren Buffett, den das alles als milliardenschweren Investor natürlich ebenfalls interessiert.

Wenn schon die Googles nicht viel mit dem grimmen Viacom-Boss zu besprechen haben werden - immerhin läuft eine Klage Viacoms im Streitwert von einer Milliarde Dollar gegen die Google-Firma YouTube -, so haben eventuell die Yahoos mit Gates etwas zu besprechen.

Gates und Yahoo

Mehr als einmal war 2007 in Branchenkreisen bereits die Rede davon, dass sich die oben Genannten eigentlich zusammentun müssten, um der Googleschen Übermacht etwas entgegenzusetzen.

Semel hatte sich erst kürzlich nach einem Aktionärsaufstand in den Aufsichtsrat zurückgezogen, Yahoo war unter seiner Führung stets deutlich weniger profitabel als die Google-Konkurrenz.

Von Netscape zu Ning

Mit Gates wiederum wird Netscape-Gründer Marc Andreessen nicht viel am Hut haben, der sich mit Microsoft jahrelang die legendären "Browser Wars" geliefert hatte.

Nach dem rasanten Aufstieg zentral gesteuerter Social Networks wie MySpace, YouTube etc. führt der Netscape-Erfinder mit seinem neuen Unternehmen Ning.com die nächste Stufe desselben Großtrends vor: Soziale Netzwerke für jeden Anlass und jeden Zweck zum Selberbauen, 3.700 Stück sind es nach wenigen Monaten bereits, die über Ning.com online sind.

Murdochs "Schnäppchen" MySpace

Auch Rupert Murdoch, dessen Kauf von MySpace um 580 Millionen Dollar vor zwei Jahren in der Branche als "Schnäppchen" galt, ist sich jetzt wohl nicht mehr ganz so sicher, ob diese Aussage auch Mitte 2007 noch gilt. Seit dem Aufstieg des MySpace-Konkurrenten Facebook, dessen CEO Owen Van Natta auch anwesend ist, verzeichnet des einstige Schnäppchen nämlich einen bis dato nicht zu stoppenden Besucherschwund.

Janus Friis, jahrelang einer der Anführer im Böse-Buben-Klub der Internet-Partie, als er erst der Musikindustrie [KaZaa] und dann den Telekoms [Skype] quer durch die Geschäftsmodelle fuhr, ist nun kein wirklich Böser mehr. Sein Projekt Joost - Videos in weit besserer Auflösung als etwa bei YouTube - folgt dem althergebrachten Broadcasting, also TV-Kriterien, die Inhalte sind legal online.

Bösewicht Sling

Misstrauisch beäugt aber wird jedenfalls Blake Krikorian werden, der Gründer von Sling Media, dessen Sling-Box die Pay-TV-Abonnenten unabhängig von ihrem Kabelanschluss macht. Die abonnierten Sender können auch von anderswo als Videostreams übers Netz angesehen werden - mit allen Konsequenzen, die das zur Folge haben mag.

Die mediale Öffentlichkeit ist bei diesem Gipfeltreffen traditionell ausgeschlossen. Die Hauptthemen werden jedenfalls jene sein: Copyright-Fragen und der markante Einbruch an Werbeschaltungen bei den US-TV-Networks im ersten Quartal.

(futurezone | AP)