Musikindustrie nimmt Kanada ins Visier
Nachdem die Klagewelle gegen Tauschbörsen-User in den USA Erfolge zu zeigen scheint, plant offenbar auch die kanadische Musikindustrie derartige Maßnahmen.
Der Präsident der Canadian Recording Industry Association [CRIA], Brian Robertson, sagte, man plane kanadische User von P2P-Börsen zu verklagen. Bis jetzt hatte sich die CRIA auf Instant-Nachrichten an KaZaA-User und Werbekampagnen beschränkt.
Doch das kanadische Urheberrechtsgesetz könnte es schwer machen, einen tatsächlichen Gesetzesbruch nachzuweisen. In Kanada müssen pro Leer-Medium und neuerdings auch für MP3-Player Abgaben bezahlt werden. Aus diesem Topf erhalten dann Produzenten und Musiker Entschädigungszahlungen für Verdienstentgänge aus Privatkopien. Diese sind laut kanadischem Gesetz zudem erlaubt.
Das Copyright Board of Canada [CB], zuständig für die Festlegung der Abgaben, entschied zuletzt, dass mit den Abgaben das Herunterladen von kopiergeschützten Songs aus Tauschbörsen für den eigenen Gebrauch legal ist. Der Upload, und damit das Bereitstellen von Musik, ist jedoch illegal.
Tauschbörsen-Nutzung in Kanada erlaubtUS-User-Zahlen halbiert
Ob die Entscheidung des Copyright-Boards auch vor Gericht standhält, wird sich also demnächst zeigen. Laut Robertson werden die Klagen vor allem die Bereitsteller von Musik betreffen, weniger die Downloader. Ab welcher Anzahl von Songs Uploader geklagt werden, steht bis jetzt jedoch noch nicht fest.
Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen/NetRatings halbierte sich seit März die Zahl der US-User von Tauschbörsen seit ihrem höchsten Stand von 16 Millionen. Demnach nutzten im Oktober 8,24 Millionen US-User die P2P-Börse oder besuchten die KaZaA-Website, während es in Europa 9,35 Millionen User waren. Der Marktforscher führt das vor allem auf die Klagen des US-Branchenverbands RIAA zurück.
Die Zahl der europäischen User blieb konstant, dabei führte im Oktober Deutschland mit 1,95 Millionen vor Frankreich, Spanien und Großbritannien.
Drastische Werbekampage in Deutschland
In Deutschland machte zuletzt eine Werbekampagne der deutschen
Filmindustrie von sich reden, die mit drastischen Bildern versucht,
Raubkopierer von der Illegalität ihres Handelns zu überzeugen.
"Raubkopierer sind Verbrecher"Aufklärung in Österreich
In Österreich setzt der Verband der österreichischen Musikwirtschaft [IFPI] auf "Aufklärung statt Klagen und Gerichte". Dabei sollen die Nutzer auf die "negativen Folgen" des "illegalen 'file sharings'" hingewiesen werden.
Über die Instant-Messaging-Funktion der Tauschbörsen werden laut Verbandsaussendung von Anfang Dezember direkt an die Benutzer, die Songs ohne Zustimmung der Rechteinhaber anbieten, standardisierte Texte gesendet, die aufklären sollen und rechtliche Aspekte erläutern, aber keine Klagsdrohung beinhalten.
Hier zu Lande beträgt nach IFPI-Angaben der Schaden durch "Online-Diebstahl" 7,5 Mio. Euro pro Jahr und ist damit bereits höher als der Schaden durch Raubkopien, der etwa fünf Millionen Euro jährlich betrage.
