02.12.2003

TK AUSTRIA

Spaltung der TA in der Diskussion

Nachdem Finanzminister Karl-Heinz Grasser gestern die Absicht zum Totalverkauf des Bundesanteils an der Telekom Austria [TA] noch in dieser Legislaturperiode [bis 2006] bekräftigt hat, wurde von Seiten der Opposition, aber auch aus der Wirtschaft teilweise heftige Kritik laut:

So hätte eine Komplettverkauf nach Meinung des Inode-Geschäftsführers Michael Gredenberg fatale Folgen für den Wettbewerb auf dem heimischen Provider-Markt, weil die TA-Infrastruktur in rein privater Hand vom Regulator "überhaupt nicht mehr" zu kontrollieren sei.

Um faire Marktchancen und einen offenen Wettbewerb zu garantieren, müsste laut Gredenberg der Infrstruktur-Teil der TA im staatlichen Besitz bleiben. An einem privaten Betreiber würde sich dagegen die RTR [Rundfunk und Telekom Regulierung] "die Zähne ausbeißen".

Infrastruktur für alle Anbieter

Der Verband der Internet Service Provider, ISPA, bei dem auch die TA Mitglied ist, legt unterdessen Wert auf die Feststellung, dass man weder für noch gegen den Verkauf plädiere.

Allerdings hätten alle Provider ein vitales Interesse an der TA-Infrastruktur. Diese sei unter staatlichem Schutz errichtet worden und müsse jetzt auch allen Anbietern zu gute kommen. Die ISPA würde daher eine Trennung der TA in einen Infrastruktur- und einen Service-Teil begrüßen.

"Wirtschaftspolitischen Vernunft" eingefordert

Heftige Kritik an den von Finanzminister Grasser geäußerten Plänen zum Totalverkauf der TA kam unterdessen von den Grünen und der SPÖ.

Der geplante Gesamt-Telekom-Verkauf spotte "jeder wirtschaftspolitischen Vernunft" und widerspreche "jeder aktiven Infrastrukturpolitik", betonte die Telekommunikationssprecherin der Grünen, Gabriela Moser.

Das "Gebot der Stunde" sei angesichts der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung eines offensiven Ausbaus von Kommunikationsinfrastrukturen die Beibehaltung einer Sperrminorität an der TA - und nicht der Abverkauf, so Moser.

"Gänzlich unverständlich"

SPÖ-Klubobmann Karl Frais findet die TA-Verkaufspläne "ohne Not gänzlich unverständlich".

Im sensiblen Telekom-Geschäft gehe es neben wirtschaftlich-unternehmerischen Gründen aber auch um Standortbedingungen und Infrastruktur: "Wenn die Telekom Austria ausverkauft wird, dann droht eine massive Schlechterstellung der Festnetzinfrastruktur in den regionalen Randgebieten," meint Frais.

Die Telekom Austria komme hier derzeit dem staatlichen Versorgungsauftrag nach und mache ihre Gewinne hauptsächlich im Mobilfunksektor. Ein ausländischer Investor würde laut Frais für die heimische Infrastruktur weniger Verständnis haben und könnte die Telekom Austria auf den gewinnbringenden Mobilfunksektor reduzieren.

Verkauf ist "konsequent"

Der Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber [VAT] hat unterdessen gegen den geplanten Verkauf prinzipiell nichts einzuwenden, da dieser eine logische Konsequenz der Liberalisierung sei.