"Datenmissbrauch" bei Kundenkarten
Millionen Besitzern von Kunden- und Bonuskarten droht nach Einschätzung von Verbraucherschützern der Missbrauch persönlicher Daten.
"Die Unerfahrenheit der Verbraucher in Sachen Datenschutz wird von einigen Firmen schamlos ausgenutzt", erklärte die Vorsitzende des deutschen Verbraucherzentrale-Bundesverbands [vzbv], Edda Müller, am Montag in Berlin.
Fast alle Kundenbindungssysteme sammelten weit mehr Daten als erforderlich, kritisierte Müller unter Berufung auf eine Studie des Kieler Landeszentrums für Datenschutz. Der Einzelhandelsverband HDE räumte "kritische Einzelfragen" ein, wies die Warnung vor einem "gläsernen Verbraucher" aber zurück.
Kunden oft nicht informiert
Oft würden die Kunden nicht informiert, was mit ihren
persönlichen Angaben und den beim Einkauf erhobenen Daten geschehen
soll, kritisierte Müller. "Wer für seine Kundenprofile speichern
will, wenn ein Kunde Schmerzmittel, Kondome oder Diätprodukte kauft,
der soll es offen sagen - oder sein lassen."
Datenschutz-Schlampigkeit bei KundenkartenWeitgehende Fragebögen
Beim Antrag auf eine Karte fehle häufig der Hinweis, dass die Kunden der Weiterverwendung und Speicherung ihrer Angaben auch widersprechen könnten. Zudem würden die genauen Teilnahmebedingungen oft im klein Gedruckten versteckt. Im Auftrag der vzbv hatte das schleswig-holsteinische Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz [ULD] zwischen Juni und November zahlreiche Bonuskarten geprüft.
Mit sehr weitgehenden Fragebögen und der automatischen Speicherung von Daten bewegten sich viele Firmen in einer Grauzone, sagte vzbv-Experte Patrick von Braunmühl. Der Verband setze sich deshalb für eine Verschärfung des Datenschutzgesetzes ein.
Kundenkartenbetreiber gesprächsbereit
Marktführer Payback und die Nummer zwei der Bonuskarten-Branche,
Happy Digits, signalisierten Gesprächsbereitschaft. Die
Datenschutzhinweise seien gerade erst transparenter gestaltet
worden, sagte die Sprecherin vom Payback-Betreiber Loyalty Partner,
Nina Purtscher.
Was Kundenkarten alles verratenNur wenige Anrufe zum Thema Datenschutz
Sie verwies auf eine aktuelle Emnid-Studie, der zufolge immerhin zwei Drittel der derzeit 24,5 Millionen Payback-Nutzer die "Hinweise zum Datenschutz" lesen; 77 Prozent davon fühlten sich dadurch ausreichend informiert. Nur 0,2 Prozent aller Anrufe im Call-Center hätten derzeit den Datenschutz zum Gegenstand, sagte Purtscher.
In der Branche sei bereits ein "intensiver Dialog" im Gange, sagte der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Schneider. Einheitliche Standards ließen sich aber auf Grund der Vielfalt der Kundenbindungs- und Rabattsysteme - auch Apotheken, Sparkassen, Tankstellen und Fluggesellschaften gehören dazu - "nicht so einfach vereinbaren".
