Was Kundenkarten alles verraten
Immer mehr Kaufhäuser, Supermärkte und Handelsketten buhlen mit Kundenkarten um die Käufergunst.
Die Karten berechtigen meist zu diversen Vergünstigungen oder locken mit Treuepunkten, die später gegen Prämien eingetauscht werden können. Im Gegenzug offenbart der Konsument seine Einkaufsgewohnheiten.
Kritik kommt schon lange von Seiten der Konsumentenschützer. Denn die gewährten Rabatte stehen oft in keinem Verhältnis zu den tiefen Einblicken, von der Kleidergröße bis zu den Ernährungsgewohnheiten oder der Ausstattung der Wohnung, welche die Firmen über den Einzelnen bekommen.
Datenschnüffler in Österreich
In regelmäßigen Abständen flattern bundesweit auch Fragebögen der
Firma Lifestyle mit amtlichem Erscheinungsbild in Haus, die es aber
einzig und allein auf die Konsumentendaten der Österreicher
abgesehen haben. Die so erhobenen persönlichen Daten werden dann
gewinnbringend über das Internet weiterverkauft.
AK warnt vor Datenschnüffler-GroßaktionGefahr von Datenzusammenführungen
Für Manfred Dimper von der der Berliner Verbraucherschutzzentrale ist viel beschworene "gläserne Konsument" eigentlich vielfach schon Realität. "Wir vermuten, dass sich bei den unzähligen Kundenanbindungssystemen manches ansammelt, was nicht erwünscht ist."
Bei derzeitigen Tendenzen von Datenzusammenführungen, befürchten die deutschen Konsumentenschützer, könnte der Tag nicht fern liegen, an dem z.B. ein Cholesterinpatient plötzlich mit empfindlich erhöhten Versicherungsprämien konfrontiert ist, weil man seinen Fettkonsum ausgeforscht hat.
Der Betreffende stünde dann unversehens unter der Beweisnot, dass er die regelmäßigen drei Leberkässemmeln für seine Kinder - und nur für sie - gekauft hat.
Zusätzliche Gesetze notwendig?
In Deutschland lässt der Bundesverband der Verbraucherzentralen
derzeit die Vereinbarkeit von Kundenkarten und dem Datenschutz
prüfen. Mit dem Ziel zu ermitteln, ob gesetzgeberische oder sonstige
Maßnahmen notwendig sind, um die Kunden vor einer Ausforschung ihrer
Konsumgewohnheiten besser zu schützen.
Deutsche VerbraucherschutzzentralenLukratives Datengeschäft
In Österreich hegt der Obmann der ARGE Daten, Hans Zeger ganz ähnliche Befürchtungen. Einerseits können Datenbankbesitzer gezielte, quälende Werbelawinen auf die Konsumenten loslassen, andererseits kann mit den Daten Handel betrieben werden.
Viele wissen nicht, dass ein Inhaber von Kunden- und Interessentendaten diese Daten - ohne den Kunden zu fragen - weiterverkaufen darf. Dies kann dazu führen, dass sich unbequeme oder finanzschwächere Konsumenten plötzlich ausgeschlossen finden.
"Wir sehen die Gefahr von schwarzen Listen. Uns sind Fälle bekannt, in denen jemand etwa einen Telefonanschluss, eine Kreditkarte oder eine Versicherung, wegen angeblicher unzureichender Bonität, nicht bekommen hat. Aus welcher Quelle die Info über die Bonität stammt, wurde aber nicht verraten," so Zeger.
Eintragung in die Robinson-Liste
Wer in unerwünschten Werbezusendungen untergeht, kann sich in Österreich in die Robinson-Liste des Fachverbandes Werbung eintragen lassen. Die Eintragung erfolgt mittels E-Mail unter Angabe der genauen Anschrift einschließlich Vorname, Nachname und eventuell Titel an:
Mail an
Datenweitergabe an Dritte widerrufen
"Die Gefahr, dass sozial schwache Kundengruppen nur noch zu schlechteren Konditionen angenommen, oder überhaupt abgelehnt werden, ist nicht von der Hand zu weisen, " bestätigt Daniela Zimmer von der Arbeiterkammer [AK].
Die AK fordert daher, dass Konsumenten zu jeder Zeit Einblick haben, wo ihre Daten sind und wie man sie widerrufen bzw. sperren kann.
Unternehmen könnten zudem das Kundenvertrauen steigern, wenn sie die Kundendaten wirklich nur in dem Umfang, wie unbedingt notwendig, nützten.
Zeger rät den Konsumenten mit Kundenkarten dazu, zumindest die Datenweitergabe an Dritte zu widerrufen.
Heute 11:40 im Ö1-Konsumentenmagazin help
Mehr zum Thema am Samstag, 12. Juni um 11.40 Uhr in "help - Das
Konsumentenmagazin" auf Ö1.
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