10.11.2003

SICHERHEIT

DNA-Datenbank als Exportschlager

Die heimische DNA-Datenbank, die laut Innenminister Ernst Strasser [ÖVP] bereits jetzt eine "Erfolgsstory" ist, soll nun auch noch zum Exportschlager werden:

Die DNA-Datenbank der Interpol soll spätestens im Sommer 2004 in Betrieb gehen. Aufgebaut wird sie von Technikern des österreichischen Innenministeriums, deren eigene DNA-Datenbank seit mittlerweile sechs Jahren in Betrieb ist und "ausgezeichnete Erfolge aufweist".

Derzeit seien darin rund 61.000 Personenprofile und etwa 15.000 Tatortspuren gespeichert, seit 1997 wurden mit Hilfe der Daten 1.750 Täter ermittelt: "Mittlerweile führt jede dritte Spur zur Ausforschung eines Verdächtigen", sagt Dr. Reinhard Schmid, Leiter des Zentralen Erkennungsdienstes im Bundeskriminalamt.

Das Konzept für die Interpol-DNA-Datenbank steht bereits, Österreich stellt das Basisprogramm zur Verfügung, die Techniker des Innenministeriums werden dann auch allenfalls notwendige Adaptierungen durchführen.

Vernetzung

Die DNA-Datenbank soll vier Arten von Profilen enthalten: Tatortspuren, Personenprofile - zum Beispiel von flüchtigen Tätern -, DNA von unbekannten Toten und DNA-Profile von abgängigen Personen, von denen man annimmt, dass die Opfer eines Verbrechens geworden sind.

Geplant ist, dass im Falle eines Treffers die beteiligten Länder automatisch informiert werden und sich zur weiteren Zusammenarbeit "kurzschließen".

"Weltweit gibt es derzeit rund 40 nationale operative DNA-Datenbanken", sagte Schmid, "das sind rund doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren." Gut die Hälfte davon bestehen in Europa und den USA, aber auch "Exoten" wie zum Beispiel Botswana verfügten über eine derartige Sammlung biometrischer Merkmale.

In Polen und Rumänien sind DNA-Datenbanken nach den Worten Schmids derzeit in Aufbau. Für die heimischen Fahnder ist von allem die Vernetzung mit Datenbanken jener Länder, mit denen man die grenzüberschreitende Kriminalität "teilt", von Bedeutung, wobei einer der Schwerpunkte auf der Klärung von Einbruchsserien liegt. Von den 2.900 Treffern, die mit Hilfe der österreichischen Datenbank erzielt wurden, betrafen mehr als 2.300 Einbruchsdiebstähle.

Datenbank-Pionier Österreich

Die österreichische DNA-Datenbank ist die drittgrößte Europas. Die umfangreichste besteht in Großbritannien, dort sind mehr als zwei Millionen Daten gespeichert. Über die zweitgrößte verfügt Deutschland.

Je nach Land unterschiedlich sind die gesetzlichen Vorgaben für die Erfassung solcher Daten. In Frankreich zum Beispiel liegt die Latte außergewöhnlich hoch: Dort dürfen DNA-Profile nur von solchen Tätern gespeichert werden, die zu mindestens sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurden, Tatortspuren nur mit gerichtlicher Genehmigung. Anfragen in Frankreich führen daher laut APA "praktisch nie" zu einem Treffer.

Laut dem Innenmisterium erfolgt die Aufnahme von Personen in die Datenbank in Österreich bei bestimmten schweren Straftaten [vor allem Gewaltdelikten], bei psychisch auffälligen Straftätern und bei Serientätern. Dazu sind auch alle Insassen von Strafanstalten in der DNA-Datenbank erfasst, hier gehört eine Probe inzwischen zum Standard der erkennungsdienstlichen Behandlung.

Bei Serienstraftätern, die "nur" leichte Straftaten wie Einbruchdiebstähle begangen haben, geht das Ministerium dabei von einer deutlich abschreckenden, präventiven Wirkung aus.