DNA-Datenbank-Software aus AT
Die Wiener Firma Ysselbach Security Systems [YSS] hat in Kooperation mit AWsoft und dem Institut für Anwendungsorientierte Wissensverarbeitung [FAW] der Universität Linz das Softwareprojekt "Dimensions" nach einjähriger Entwicklungszeit fertig gestellt.
Es handelt sich dabei um eine DNA-Datenbank, die sowohl Profile von am Tatort gefundenen Spuren als auch solche von verdächtigen Personen verwalten kann.
Laut YSS haben bereits mehrere Länder Interesse an Dimensions gezeigt. In zwei Ländern stehen umfangreiche Testläufe kurz vor einem Abschluss.
Der große Nutzen von Dimensions besteht laut Entwicklern darin, dass in dieser Datenmenge automatisch nach möglichen Übereinstimmungen gesucht wird. Das geschieht einerseits automatisch für jedes neu hinzugekommene Profil, um Verbindungen zu anderen Ermittlungen herstellen zu können, und andererseits interaktiv, um gezielt nach Treffern für bestimmte Profile zu suchen. So kann beispielsweise eine Person aus dem Kreis der Verdächtigen ausgeschlossen werden, wenn keine Übereinstimmung mit der Tatortspur vorliegt.
Ysselbach Security Systems [YSS]Unscharfe Suche
Um auch vermischte Spuren von Tatorten [Mischspuren], die von mehreren Personen stammen, und schlecht erhaltenes DNA-Material, das in den medizinischen Labors nicht vollständig untersucht werden konnte, zu berücksichtigen, können bei der Suche so genannte "Unschärfeparameter" festgelegt werden.
Zu jedem gefundenen Treffer werden Informationen über den Grad der Unschärfe angegeben, damit das Ergebnis richtig interpretiert werden kann. Die Resultate solcher DNA-Analysen werden als Hinweise bei den kriminalistischen Ermittlungen gewertet, vor Gericht haben sie keine Gültigkeit.
AWsoftVorgänger bereits im Einsatz
Das FAW mit Sitz im Softwarepark Hagenberg hat bereits Erfahrung mit DNA-Datenbanken, da 1998 das vom österreichischen Innenministerium in Auftrag gegebene und momentan im Einsatz befindliche System ebenfalls hier entwickelt wurde.
Dimensions ist eine Weiterentwicklung dieses Systems, bei dem die Ermittlungsbeamten über ein gesichertes Netzwerk auf den zentralen DNA-Datenserver zugreifen können.
Verschiedene Techniken wie hohe Verschlüsselung der Übertragung, Benutzer-Identifizierung und Security-Logs werden eingesetzt, um die Sicherheit des Systems zu gewährleisten.
Weiters wird der Arbeitsablauf der Untersuchungen durch verschiedene Module unterstützt, indem beispielsweise Barcode-Etiketten zur eindeutigen Kennzeichnung der DNA-Proben erstellt werden können.
Als Schnittstelle zu den DNA-Untersuchungslabors dienen von den Analysegeräten generierte Dateien, die automatisch importiert werden. Die Performance des Systems konnte so weit optimiert werden, dass der Vergleich eines Profils gegen eine Million anderer nur wenige Sekunden in Anspruch nimmt. Bei der Programmierung kam unter anderem Microsoft .NET zum Einsatz. Auch von Interpol propagierte Standards fanden Einzug in die Struktur des Systems.
Institut für Anwendungsorientierte WissensverarbeitungÖsterreich ist DNA-Datenbank-Pionier
Innenminister Ernst Strasser [ÖVP] würdigte erst letzte Woche bei einer Pressekonferenz die heimische DNA-Datenbank anlässlich ihres fünften Geburtstages.
Österreich zähle beim Einsatz der neuen Ermittlungsmethodik zu den Pionierländern in Europa, sagte Strasser.
Die DNA-Datenbank werde, so Strasser, weiter ausgebaut und die Methodik mit neuen Analysetools verfeinert. Auch die Zahl der gespeicherten Spuren - derzeit sind es etwa 50.000 - soll weiter gesteigert werden.
Österreich ist DNA-Datenbank-Pionier
