Angst vor Spannern und Spionen
Die Besitzer von Kamerahandys müssen in den USA immer häufiger mit misstrauischen Blicken rechnen.
Viele Unternehmen haben die Mobiltelefone, deren Verkaufszahlen sich nach Einschätzung von Branchenexperten in diesem Jahr mehr als verdoppeln werden, aus Angst vor unerwünschten Fotos bereits von ihren Firmengeländen verbannt.
Nun sollen auch Verbote auf öffentlichen Plätzen folgen.
Die Verkaufszahlen für die Handys mit eingebauten Digitalkameras werden nach Schätzung des Forschungsinstituts ARC in diesem Jahr auf weltweit 55 Millionen Stück steigen und damit so häufig verkauft werden wie herkömmliche analoge und digitale Fotoapparate zusammen. Japanischen Schätzungen zu Folge werden es sogar noch fünf Mio. mehr sein:
60 Millionen Kamerahandys für 2003Angst vor Spannern und Spionen
Betreiber von Fitnessstudios, Politiker und die Chefetagen von Konzernen in den USA fürchten jedoch die Möglichkeiten, welche die moderne Technik mit sich bringt.
In viele Fitnessstudios dürfen die Besitzer ihre Fotohandys daher nicht mehr mitbringen. Die Betreiber wollen ihre Kunden vor unerwünschten Fotos aus den Umkleidekabinen schützen, sagt Carrie Foster, Sprecherin eines Washingtoner Fitnessstudios.
Auch in einigen US-Konzernen stehen die modernen Handys auf dem Index. Allerdings ist das Motiv für die Verbote hier die Angst vor Industriespionage.
Der Automobilkonzern General Motors etwa hat seinen Mitarbeitern das Mitbringen der Handykameras auf das Betriebsgelände verboten - unter Androhung, das teure Spielzeug zu beschlagnahmen. "Die Gefahr ist einfach zu groß, dass jemand auf dem Firmengelände eine Neuentwicklung fotografiert und das Foto verkauft oder ins Internet stellt", sagt Konzernsprecher Dan Flores.
Südkorea fürchtet sich vor "007-Spionage"Handybann auf der Mainstreet
Die Angst vor den Fotohandys liege darin begründet, dass man mit den Handys seine Fotos weitgehend unbemerkt schießen kann, sagt James Katz, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Rutgers in New Jersey:
"Viele Besitzer dieser Telefone sind von dem Gedanken fasziniert, völlig Fremde in für sie unangenehmen Situationen festzuhalten und ihre Trophäen, die Schnappschüsse, im Internet auszustellen."
Massen von Hobbyfotografen in den USA nutzten diese Anonymität und gingen mit ihren Handykameras "Tag für Tag auf die Pirsch", um den peinlichsten Schnappschuss zu erhaschen. Das belege auch die steigende Zahl von Sites, auf denen die Hobby-Paparazzi ihre Fotos ausstellen würden.
Politiker befürchten unterdessen, dass es oft nicht bei harmlosen Fotos bleibt, sondern dass "skrupellose Besitzer ihre Handys missbrauchen könnten, um Sex-Aufnahmen zu machen" und diese "via Internet in alle Welt" zu verbreiten.
Die Stadt Seven Hills im US-Bundesstaat Ohio könnte in den kommenden Wochen eine beispielhafte Entscheidung treffen und die Handys an bestimmten öffentlichen Orten verbieten.
Stadtratsmitglied David Bentkowski fordert, unter anderem in Toiletten und in Umkleidekabinen öffentlicher Schulen den Gebrauch unter Strafe zu stellen. "Diese Dinger sind wie die Spionagekameras in den James-Bond-Filmen. Jemand tut so, als würde er telefonieren - und plötzlich ist ein Nacktfoto von Dir im Internet", sagt Bentkowski. Über den von Bentkowski eingereichten Antrag wird der Stadtrat von Seven Hills in den kommenden Tagen abstimmen.
Handykameras "gefährden die Moral"
