Studenten erledigen Amtsgänge online

14.05.2007

Das von der TU Graz entwickelte Informationssystem "CAMPUS Online" geht einen wichtigen Schritt in Richtung E-Government: Mit der Einbindung der Bürgerkarte können etwa Zeugnisse mit elektronischer Amtssignatur angefordert werden. Damit werden Amtsgänge und Papier gespart.

Bereits seit fast zehn Jahren ist CAMPUS Online an der TU Graz in Betrieb, ein umfassendes Campus-Management-System, das von der Büromaterialbeschaffung bis zur Terminplanung fast alles organisiert. Nicht nur dass das Projekt national und international bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, mittlerweile ist es bereits an 14 weiteren Universitäten in Österreich und gleich vielen Pädagogischen Hochschulen im Einsatz.

Auch ausländische Unis haben bereits ihr Interesse bekundet, wie die Pressesprecherin der TU Graz, Alice Senarclens de Grancy, erklärt.

Bürgerkarte für sichere Einwahl

Am Montag wurde das System nun um einen wichtigen Schritt erweitert: Tätigkeiten, für die man bisher einen Ausweis vorlegen und somit zu Stellen und Behörden laufen musste, können demnächst elektronisch erledigt werden. Die Identifizierung mittels Bürgerkarte und elektronischer Signatur macht es möglich.

Die Bürgerkarte soll den Studierenden "Sicherheit bei der Einwahl" bieten, erklärt CAMPUS-Online-Projektleiter Franz Haselbacher im Gespräch mit ORF.at. Die Universitäten müssten die Dokumente dann nicht mehr händisch ausgeben.

Digital signiertes PDF

Für Studienerfolgsnachweise, Prüfungsprotokolle oder Zeugnisse wählen sich die Studenten ein und laden die gewünschten Dokumente als digital signiertes PDF-File herunter.

Hilfreich sei diese Möglichkeit zum Beispiel für im Ausland Studierende, die einen Nachweis von ihrer Heimatuniversität erbringen müssen, erklärt Haselbacher.

In den nächsten Tagen verfügbar

Neu sei auch, dass die bescheidmäßige Zustellung künftig digital erfolgen könne, Leistungsnachweise also vom Studierenden elektronisch an die Studienbeihilfenbehörde oder das Finanzamt weitergegeben werden kann.

Bereits in den nächsten Tagen soll der Bürgerkarten-Einsatz in allen Einrichtungen, die CAMPUS Online einsetzen, möglich sein.

Das System biete einen gesicherten Online-Zugang und eindeutige Identifikation ohne erstmaliges physisches Erscheinen und stehe jedem - z. B. auch der Wirtschaft - zur freien Verfügung, erklärte Reinhard Posch vom Bundeskanzleramt.

Interesse im Ausland

Haslbacher arbeitet mit einem 40-köpfigen Team an der Entwicklung der CAMPUS Online zu Grunde liegenden Software, dem Support und der Wartung. "In Europa gibt es keine entsprechenden Software-Lösungen zu kaufen", erklärt Haselbacher. Darum gebe es auch im Ausland Interesse an dem System.

Für heuer habe man sich deshalb zwei große Ziele gesteckt. Zum einen werde an der Mehrsprachigkeit des Systems gearbeitet, weiters solle bis Ende 2007 eine barrierefreie Version des Managementsystems entstehen.

Bürgerkarten sind das "amtliche Ausweisdokument" im elektronischen Verwaltungsverfahren, derzeit können etwa Bankomatkarte und e-Card als solche "freigeschaltet" werden.

Österreich forciert E-Government

Staatssekretärin Heidrun Silhavy [SPÖ] erklärte am Montag, das Bundeskanzleramt und die TU würden mit CAMPUS Online "einen wichtigen Schritt in Richtung bürgernahe Verwaltung und E-Government für Lehrende und Studierende" gehen.

Ideen, Innovationen und Prototypen liefere das 2005 als gemeinsame Initiative vom Bundeskanzleramt und der TU gegründete E-Government Innovationszentrum [EGIZ] am Institut für Angewandte Informationsverarbeitung und Kommunikationstechnologie [IAIK].

(futurezone | APA | Nayla Haddad)